Imaginationen

0224: Imaginationen privater Art

Thema: Imaginationen privater Art

16. Diktat von Josef


Dies ist eine Zeit des Umbruchs und ihr werdet eurer eigenen Torheiten bewusst: Ihr leidet an Vorstellungen und es ist, da ihr vorbereitet und unterrichtet seid, eure Aufgabe, diese Vorstellungen als suggestive Imaginationen zu erkennen.

Ihr auf lange Sicht vorbereitet, euch dieser Aufgabe zu stellen. Ihr seid hier an diesen Punkt gelangt, um euch der schwerwiegendsten brennenden Suggestionen bewusst zu werden.
Dies ist sowohl Prüfung als auch Gelegenheit, den eigenen verborgenen Potenzialen den Weg zu bereiten, sich in eurer Realität zu entfalten.

Die Hemmungen werden in euer Bewusstsein gehoben.
Der Schmerz, der dieses Bewusstsein auslöst, führt zum Wunsch der Veränderung.
Der Wunsch der Veränderung bewirkt diese – ja, ist im Grunde schon die Veränderung selbst – sofern ihr an dem Wunsch festhaltet.

Einfache Prinzipien – schwere seelische Arbeit.

Doch ist diese Inkarnation für euch eben aus diesem Grunde erdacht – um zu euren Qualitäten zu finden, um zu euren tiefsten Bedürfnissen zu stehen.
Ihr habt es über Inkarnationen hinweg vorgezogen, der Spielball äußerer Umstände zu sein – resultierend aus einem unseligen Gebräu von Vorstellungen:

Ihr stellt euch vor, machtlos zu sein.
Ihr stellt euch vor, keinen Anspruch auf Erfüllung eurer Bedürfnisse zu haben.
Ihr stellt euch vor, zu schwach zu sein, um eure Verantwortung zu tragen.
Ihr stellt euch vor, weitere seelische Verletzungen nicht ertragen zu können.
Ihr stellt euch vor, einen Anspruch auf Leid zu haben, weil nur dieses euch eure Würde zurückgibt.
Ihr stellt euch vor, euch schuldig zu machen, wenn ihr glücklich und erfüllt seid.
Ihr stellt euch vor, Ablehnung verdient zu haben.

Ja, was immer ihr euch vorstellt: es wird wahr.

Ihr glaubt zutiefst daran, dass Erfolglosigkeit die Strafe für eure Existenz ist. Vielleicht wart ihr in eurem kindlichen Verständnis erfolglos.
Vielleicht konntet ihr eure Mütter nicht überzeugen, dass ihr geliebt und wertgeschätzt werdet. Somit lebtet ihr im Dauerzustand der Bedrohung eurer gesicherten Existenz.

Eine Mutter, die nicht liebt, bedeutet für das Kind akute Lebensgefahr, denn es ist in symbiotischer Weise vom Wohlwollen der Mutter abhängig.

Eure Mütter sind alt oder tot.

Ihre Funktion als potentielle Bedrohung habt ihr nun übertragen auf euer Umfeld, die Gesellschaft, in der ihr lebt – der Arbeitsmarkt, der Staat, die Patienten, die Gemeinde, der Hauswirt – kurz, alles das, was euch jetzt eure Existenz sichert, was dazu beiträgt, euch sicherer Geborgenheit zu vermitteln.

Oder schlimmer noch! Bei Partnerschaften übertragt die mütterliche Funktion existentieller Lebensbedrohung auf den anderen Partner!!!

Nun, nicht umsonst seid ihr unterrichtet worden, diese Vorstellungen zu hinterfragen. Doch um sich von ihnen zu lösen, bedarf es des Mutes eines Narren: Ihr könnt die Vorstellungen nur lassen, in dem ihr den Mut habt, das Unbekannte, Gefährliche zu wagen, was euch sehr viel Kraft kosten wird.

Stellt euch nun vor (Jo lächelt), ihr hättet als Kleinkinder den Mut besessen, auf die Lieblosigkeit eurer Mütter nicht mit verstärkter Anpassung an die Anforderungen, sondern mit verstärkter Individualität reagiert!

Oh ja – da seht ihr sie schon schreiend, schimpfend, schlagend! Euch endgültig verstoßend!

Oh ja – hier ruht die ungeheure Angst, entdeckt, enttarnt, entlarvt zu sein und damit verstoßen! Und damit tot.

„Wenn Mutter entdeckte, wie zornig ich in Wahrheit auf sie bin, würde sie mich verstoßen.“
Das ist die seelische Grundempfindung.
„Wenn ich meine Tarnung des lieben Kindes aufgebe, werde ich verstoßen.“
„Wenn ich meine ganzen Ansprüche rigoros deutlich mache, werde ich verstoßen.“
„Ich muss mich mit meinen Ansprüchen meinen tiefsten Gefühlen verstellen, um von ihr ertragen zu werden, hoffentlich entdeckt sie nie, was wirklich in mir vor sich geht.“
„Wenn sie entdeckt, was ich wirklich fühle, bin ich gewiss des Todes, wenn sie entdeckt, was ich wirklich will, bin ich in großer Gefahr.“
„Nur die Tarnung bringt mir Sicherheit.“

Sehr ihr? Und genau diese Vorstellungen, die euch zugegebenermaßen in eurer Kindheit schützten, werden euch nun zu Fallstricken. Ihr durftet eure wahre Identität nicht leben!

Jetzt aber müsst ihr umgekehrt zu dieser Erfahrung feststellen, dass lediglich das offenen Bekenntnis vor euch selbst und vor eurem Umfeld euch jene Geborgenheit bringt, die ihr benötigt.

Das sind völlig neue Wege für euch und selbstverständlich begeht ihr sie mit zitternden Knien.

Ich möchte, dass ihr euch mit euren wahren Bedürfnissen auseinander setzt und mit euren wahren Gefühlen. Ihr könnt ein Ziel nur erreichen, wenn ihr es präzise beschreiben könnt.

Wenn ihr auf die Wanderschaft geht und nach dem Weg fragt – sagen wir, ihr wolltet in ein bestimmtes Haus, in einer bestimmten Straße in einem bestimmten Ort – dann reicht es eben nicht, zu sagen: Ich will nach München.
Sondern ihr müsst spätestens, wenn ihr den Ortsrand erreicht habt, ganz klar Straßenname und Hausnummer definieren!

So reicht es nicht zu definieren: Ich will glücklich sein, ich will geborgen sein usw. Notwendig ist eine ganz klare Definition des angestrebten Zieles.

Ihr fragt euch, welche Türen nun aufgehen sollten und warum ich nicht deutlicher sage, was ihr tun sollt.

Weil es eure Aufgabe ist, herauszufinden, welches Ziel ihr habt und es konkret zu definieren.
Es geht gar nicht darum, ob das eine Ziel besser als das andere ist – es geht darum, welches Ziel im Einklang mit eurem wahren Wunsch ist.

Nur dann könnt ihr erkennen, was euch hindert, euren wahren Wunsch zu erreichen, was an diesen Hindernissen in euch selbst liegt und was tatsächlich von außen kommt.

Hier seid ihr aufgefordert, zu erkennen, dass ihr selbst es seid: Ihr lasst die Türen offen oder verschlossen sein.

Nun, ich denke, dies ist genug für heute.
Eure Schritte auf euren Wegen könnt nur ihr selbst gehen – falls ihr den Mut dazu habt.

Jo