Pferd

0325: Das Krafttier Pferd – Wir lieben euch Menschen

Das Krafttier Pferd

Nachricht von einem Pferd
namens Nutur an Lea über Uta:
Wir lieben euch Menschen.

Freiheit ist da, wo man erkennt,
dass es immer eine Alternative zu dem gibt,
was man gerade hat.

Schutzengelkontakt

Zweiter Engelkontakt für Lea mit Ingrid.

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Lea zu verbinden, Lea bittet um diesen Kontakt.

Ich stehe wieder an diesem Fluss, eine Frau kommt mir entgegen, energisch, und ich zögere, ob das jetzt wirklich Ingrid ist.

Ingrid: Ja, siehst du, wenn man sich ein wenig fein macht, da ist man gleich eine andere.

Sie lacht und an dem Lachen erkenne ich sie wieder und sie hat sich richtig herausgeputzt: Ein weißes Kleid mit rosa Streifen und einen rosa Hut trägt sie, aber ansonsten ist sie ganz die Gleiche wie immer. Sie nimmt den Hut ab.

Ingrid: Ah, blödes Ding, das juckt so darunter, du glaubst es gar nicht! Lea kennt das: Es ärgert sie auch, aber sie hat mehr Disziplin, als ich damals hatte.

Uta: Na, aber dafür hast du sehr fein ausgesehen mit dem Hut!

Ingrid: Hm. Meinst du, ich würde meiner Lea so gefallen? (Sie dreht sich im Kreis.)

Uta: Ganz bestimmt, außer die Schuhe vielleicht (sie trägt immer noch die groben Arbeiter-Schuhe).

Ingrid: Ja? Na ja, die, aber die sind bequem! Die bleiben dran!

Uta: Du machst ja heute Spaß, Ingrid.

Ingrid: Glaubst du? Nein, ich mache keinen Spaß.

Ich erzähle dir vom Wert der Disziplin. Ich erzähle dir vom Durchhaltevermögen und ich erzähle dir von Freiheit.

Uta: Lea hatte eigentlich nur eine einzige Frage: Sie würde so gerne wissen, wer ihr Krafttier ist.

Ingrid: Ich weiß, darum geht es mir ja gerade.

Kennst du ein Tier, das bemerkenswert diszipliniert ist, das ein sehr starkes Durchhaltevermögen, Mut und Kraft hat und das dennoch die Freiheit schlechthin symbolisiert?

Uta: Hm, nein, da fällt mir keines ein.

Ingrid: Gut, dann komm mit und mach die Augen auf!

Wir gehen über den Hafenplatz: Hier liegen viele Baumstämme rechts und links von uns, Ingrid muss anhalten, weil ein schweres Pferdefuhrwerk uns den Weg versperrt.

Zwei große, braune Pferde mit heller Mähne und hellem Schweif ziehen in Ketten gebündelte Baumstämme vorbei. Sie scheinen schwer unter der Last zu tragen und sträuben sich, weitere Schritte zu machen.

Ein Mann, der neben ihnen geht und die Zügel in der Hand hält, nimmt eine Peitsche und schlägt sie auf das Hinterteil der Braunen, die schnauben und gehen nun mit ihrer Last weiter.

Ingrid: Bemerkenswert, nicht wahr, diese Leidensbereitschaft der Tiere!

Wir gehen weiter: Jetzt sind wir auf einer sehr belebten Straße, viele Menschen sind hier, an der Ecke spielt eine kleine Blaskapelle.

Sie scheint von einem Zirkus zu kommen, jedenfalls erinnern mich ihre roten Anzüge daran. Es ist so laut hier: Kinder spielen mit Knallerbsen und auf dem Bürgersteig gegenüber grölen ein paar betrunkene Flößer Lieder.

Auf der Straße ziehen drei Kutschen vorbei. Ruhig und ohne den Lärm zu beachten, gehen die Pferde ihren Weg, während ein Hund, der uns eine Zeit lang folgt, den Schwanz einzieht und vermutlich wegen der Knallerbsen das Weite sucht.

Und eine Katze, die sich kurz an Ingrids Rock streichelt, diese mit weit aufgerissenen Augen anstarrt, als bäte sie um Hilfe.

Was diese auch macht: Kurz entschlossen nimmt sie das verschreckte Tier auf den Arm, spricht beruhigend mit ihm, streichelt es und lässt es erst wieder los, als wir den Lärm dieser Straße schon hinter uns haben und uns einem kleinen, mit Bäumen umgebenen Platz nähern, auf dem tatsächlich ein Zirkuszelt steht.

Ingrid führt mich hinein. Die Vorstellung hat schon längst begonnen. Es ist ganz leise, die vielen Menschen auf den Rängen schauen fasziniert in die Mitte der Arena.

Dort dreht sich ein wunderschönes, weißes Pferd im Kreis. Auf seinem Rücken steht ein junges Mädchen mit blondem Haar und silbernem Kostüm, es balanciert, es vollführt kleine akrobatische Kunststücke. Ein hübsches Bild ist das.

Jetzt rutscht das Mädchen elegant vom Rücken des Pferdes, sie geht neben ihm und ruft ihm Kommandos zu.

Nun beginnt das Pferd zu tanzen, bleibt dabei sogar im Rhythmus der Musik. Ich weiß nicht, wer wohl mehr Bewunderung verdient hat, Pferd oder Reiterin, beide sind ein wunderschöner, anmutiger Anblick.

Wir schauen uns die Vorstellung nicht zu Ende an…

Ingrid zieht mich wieder aus dem Zelt und wir gehen mit schnellen Schritten ein Stück durch einen Wald. Schließlich lichtet sich das Buschwerk und vor uns liegt eine große, flache Weide in der Sonne.

Drei Pferde sind darauf zu sehen: ein Schwarzes, ein Weißes und ein Braunes.

Sie spielen miteinander, sie laufen um die Wette, sie drehen sich im Kreis, sie bewegen sich so schnell wie der Wind, die Sonne schimmert auf ihrem Fell und der Wind spielt in ihren Mähnen.

Ich denke, sie sind die wunderbarsten Pferde, die ich je gesehen habe.

Ingrid: Weil sie frei sind, fast frei, völlig freie Pferde kann ich dir hier nicht zeigen. Komm, Nutur!

Sie schnalzt mit der Zunge und der braune Hengst löst sich aus der Gruppe. Er kommt ganz nah, ganz zärtlich knuspert er mit seinen Nüstern an Ingrids Ohr.

Er schaut mir direkt in die Augen, wunderbar sanfte Augen sind das, ganz tief, ein Braun, in dem die Sonne goldene Reflexe setzt.

Ernst schaut er, ich habe das Gefühl, er sieht mir bis tief in mein Herz und was ich in seinen Augen sehe, ist eine Vielzahl an Bildern.

Zuerst sehe ich kleine, eher zierliche Pferde über eine weite hügelige Landschaft laufen. Über ihnen treiben weiße Wolken am blauen Himmel und die Pferde sind genauso schnell wie der Wind, ein Geruch von Gras und Blüten wird mir vermittelt.

„Wunderbar ist es, mit dem Wind zu reiten“, wird mir gesagt.

Ein anderes Bild kommt: Pferde gehen in einem Rondell, auf ihren Rücken sitzen Kinder.

Etwas stimmt mit diesen Kindern nicht: Einige tragen Helme, andere auch Schienen aus Metall an den Beinen. Diese Kinder sitzen nicht richtig im Sattel, sondern mehr oder weniger schief.

Die Pferde müssen sehr, sehr vorsichtig gehen, ganz sicher im Takt bleiben, aber auf den Gesichtern der Kinder und in ihren Augen ist eine solche Freude zu sehen.

„Jeder Mensch, der uns ins Herz schaut, der sieht die Freiheit, die unser Element ist. Der bekommt etwas ab von der Kraft, die wir haben, über alle Distanzen hinweg mit dem Wind zu reiten.

Es ist schön, zu fühlen, wie diese kleinen Menschen das genießen, wie sie durch uns Vertrauen in ihre eigene Fähigkeit zur Freiheit bekommen können.

Es ist sehr anstrengend für uns, so gleichmäßig und vorsichtig diese rutschende Last auf unseren Rücken zu tragen, aber wir machen es gerne für euch: Weil wir euch lieben.

Ein anderes Bild kommt, ein schreckliches Bild: Über ein weites Schlachtfeld ziehen dunkle, stinkende Wolken, Kanonendonner ist zu hören, Schüsse und entsetzliche Schreie. Hier ist ein sehr, sehr breiter und tiefer Graben.

Pferde kommen mit ihren Reitern zu dieser schwierigen Stelle im Gelände. Die Reiter sind alle blass, dreck- und blutverschmiert. Sie tragen Säbel in der Hand und brüllen in einer mir nicht bekannten Sprache.

Sie treiben ihre Pferde durch diesen Graben, die meisten schaffen es, aber einige rutschen in dem weichen, nassen Boden aus, verlieren den Halt und stürzen schrecklich.

Bis auf ein Pferd springen aber alle auf, nehmen ihre Reiter wieder auf und reiten weiter mit ihnen mitten in das dichteste Kampfgetümmel.

„Wir lieben das nicht, wir hassen es und wir haben Angst genau wie unsere Reiter, aber wir lieben unsere Reiter und wir würden alles, alles für sie tun, auch wenn wir nicht verstehen, warum sie das wollen…

Wir glauben an sie, wir glauben daran, dass sie es letztlich gut mit uns und sich meinen, wir lieben so sehr, so sehr.“

Ein anderes Bild, auch das ist schrecklich, aber auf eine ganz andere Art: Ich sehe ein kleines, gedrungenes Pferd. Es ist so ungepflegt, es hat überall am Körper Narben und ich sehe viele frische Wunden, als wäre es brutal mit einem Stock oder einer Eisenstange drangsaliert worden.

Unter dem Pferd liegt ein Mann in altmodischer, bäuerlicher Kleidung, er schreit um Hilfe. Aber vergeblich: Das Pferd tritt und tritt auf ihn herum, bis die Schreie verstummen.

„Solange wir vertrauen in eure Liebe haben, geben wir euch alles, was wir geben können: unsere Kraft, unseren Mut, unsere Ausdauer, unser Feingefühl, unser Einfühlungsvermögen, unsere Geduld. All das, weil wir euch lieben, wissend, dass ihr uns liebt.

Aber wenn wir euch lieben und ihr uns hasst, wenn ihr unser Vertrauen missbraucht, wenn unsere Liebe nicht zurückhält, verantwortungslos und brutal zu sein, dann kommt ein heiliger Zorn über uns und ihr müsst sehen, wie groß und stark wir im Vergleich zu euch sind.“

Uta: Ingrid, das Pferd ist Leas Krafttier?

Ingrid: Ja. Sie hat viel mit ihnen gemeinsam: Auch in ihrer Seele ist diese unbändige Freude an Freiheit, an Bewegung, am Lebendig sein.

Auch in ihr findest du Geduld, Zuversicht und Einfühlungsvermögen in die, die sie lieben. Auch sie verfügt wie das tanzende Pferd und die Droschkenpferde über eine bemerkenswerte Disziplin.

Und auch in ihr findest du, wenn es um Menschen geht, denen sie zugetan ist, einen sehr großen Mut und eine erstaunliche Zähigkeit. Aber du findest auch in ihr diese Verletzbarkeit durch enttäuschte Liebe.

Wie ein Pferd hofft auch Lea sehr lange das Beste, wenn es um jemanden geht, der sich ihr zuwendet. Und wie ein Pferd ist sie schrecklich enttäuscht, wenn trotz aller Geduld sich herausstellt, dass ihr Vertrauen ungerechtfertigt war.

Aber hör zu: Dieses gute, schöne Pferd hier möchte Lea etwas sagen.

Ich höre dem Pferd zu.

Lea, du bist frei! Freiheit ist nicht abhängig davon, wo du bist und was du bist. Freiheit kommt durch das Bewusstsein, jederzeit die Wahl zu haben, eine andere Aufgabe und eine andere Umgebung wählen zu können.

Sie liegt in der Erkenntnis der Tatsache, jederzeit etwas Anderes wählen zu können. Die Brüder, die die schweren Baumstämme ziehen, sie wissen, dass sie nur um sich schlagen müssen, ein einziger Biss die Rute, die sie schlägt, zerstören wird.

Aber sie tun es nicht, weil sie den Mann lieben und wissen, dass er ohne ihre Kraft zerstört sein wird.

Sie riechen seine Angst, dass er seine Arbeit nicht schafft und sie lesen in seinem Herzen, dass jeder Schlag mit der Rute ihm selbst wehtut.

Die Brüder auf dem Schlachtfeld lesen in den Herzen ihrer Reiter die Todesangst und dass sie sich nur eines wünschen: Hier von dem Platz des Schreckens wegzukommen.

Und sie ertragen darum alles, um ihre Reiter hier herauszubringen. Sie wissen: Sie müssen sie nur von ihren Rücken werfen und davonlaufen, aber das tun sie nicht.

Die Brüder unter den Zeltkuppeln des Zirkus wissen, dass bei ihren geliebten Menschen sie ihr ganzes Wohl und Wehe davon abhängig machen, dass sie diszipliniert einen so außerordentlich anmutigen Anblick bieten.

Sie wissen, dass sie jederzeit das Weite suchen könnten, aber lieber nehmen sie die Last der Disziplin auf sich, als ihre Liebsten zu enttäuschen.

Freiheit ist da, wo man erkennt, dass es immer eine Alternative zu dem gibt, was man gerade hat.

Man muss einen Preis für jede Freiheit bezahlen. Die Freiheit der Pferde, unter den ziehenden Wolken ein unabhängiges Leben, ohne die Verbindung zum Menschen zu leben, wird auch bezahlt.

Jeder Winter ist der Preis: Vereistes Fell, Krankheit und Hunger sind der Preis. Manchmal ist es besser, weniger frei und dafür gut geschützt zu sein, nicht wahr?

Liebe und Freiheit der Entscheidung, darum geht es bei dir genauso wie bei uns.

Das Pferd zieht sich zurück, es läuft wieder zu seinen Brüdern und spielt mit ihnen im Sonnenschein.

Ingrid: Ja, und damit das nicht vergessen wird: Die Kunst der Lebensfreude ist auch etwas, das Lea in ihrem Herzen trägt, das den Pferden entspricht. Pferde wollen sich am Leben freuen und dazu brauchen sie gar nicht viel.

Und sie wollen in einer Gemeinschaft sein, auch da brauchen sie nicht viel!

Nichts ist so traurig wie ein einsames Pferd! Wusstest du, dass Pferde, die isoliert sind, ihre Intelligenz verlieren?

Ja, so, aber nun hast du wohl genug gesehen, meine Liebe?

Uta: Ich glaube, eine Frage würde noch ganz gut dazu passen: Zu welcher Seelenfamilie gehört Lea?

Ingrid lachend: Sie gehört zu den Bewahrern der Schöpfung. Das ist unsere Aufgabe, deshalb lieben wir alles, was geschaffen wurde: die Tiere, die Pflanzen, sogar die Sterne am Himmel.

Ein ganz tiefe Liebe und Achtung haben wir dafür und das ist gut so. Mit Sorgfalt, Treue und Zuversicht wollen wir das bewahren, was gut ist.

Uta: Ich danke dir, Ingrid, hoffentlich kann Lea sich daran freuen, was du ihr gezeigt hast.

Ingrid: Es wird sie sehr überraschen! Aber wenn sie es ganz verstanden hat, dann wird sie sich freuen.

Sag ihr, ich liebe sie sehr.

Und sag ihr, sie soll ihre Lebensfreude nicht verlieren. Der Winter ist hart! Er ist für so viele hart und es gibt so viel Kummer auf dieser Welt. Es gibt so viele einsame Lebewesen.

Wenn sie doch nur wüssten, dass sie sich nur füreinander interessieren müssten, wie viel Wärme bringt Gesellschaft in die dunkle, kalte Zeit.

Nun, es wird Zeit für mich zu gehen.

Ich danke dir, Uta, und ich umarme meine Lea!