Anhaftung

0455: Gründe für die Anhaftung von Gustav

Gründe für eine Anhaftung von Gustav

Eine Anhaftung, keine Besetzung, eine Anhaftung.
Und ich denke, es ist an der Zeit,
ihn von dieser Beziehung zu lösen,
denn Heinz selber will sie nicht.

Es ist ihm zutiefst zuwider, was dort geschieht.

Elia

Hajo: Heinz scheint besetzt zu sein oder eine Anhaftung zu haben und da wollten wir gerne fragen, wie wir ihm helfen können.

E: Ja, in der Tat hat Heinz eine Anhaftung, keine Besetzung, eine Anhaftung.
Und ich denke, es ist an der Zeit, ihn von dieser Beziehung zu lösen, denn Heinz selber will sie nicht.

Es ist ihm zutiefst zuwider, was dort geschieht.

Und es ist ein Prozess, in dem er sich befindet, in dem ihm seine Hilflosigkeit gegenüber der Situation immer mehr wirkliche Lebenskräfte kostet.
Er hat sehr lange sehr viel Kraft investiert, um diese Phasen aus eigener Kraft zu überwinden, aber diese Kraft lässt nach und das spürt er auch und das macht ihn unruhig.

Allerdings müssen wir hier bedenken, dass die Anhaftung allein nicht die Basis für das Problem ist.

Das Basisproblem liegt in seiner eigenen Kindheit.
Wir haben hier, wie so oft, das Phänomen, dass Gleiches Gleiches anzieht.

Die Anhaftung, mit der ihr es zu tun habt, kann es sich bei ihm erlauben zu sein, weil Heinz selbst in sich in seiner Kindheit große seelische Schmerzen gelitten hat, gerade was seinen Wert als Mann anging.
Selbstwert, Liebe und Akzeptanz zu sich selbst, das hat er sich in seiner Kindheit erkämpfen müssen und auch erleiden müssen.

Geblieben sind Wunden, sind tiefe Verletzungen, ist das Gefühl, was immer ich tue, genug ist es nie, wer immer ich bin, gut genug ist es nie.

Und es sind gerade diese Phasen, die sich die Anhaftung aussucht, um ihn zu drangsalieren.
Dann setzt der Wunsch nach einem tiefen Vergessen ein, in der Seele nach einer Flucht und was bleibt, ist dann das sich völlig fahren lassen, das Ruder dem Anderen überlassen, wie fremdgesteuert ohnmächtig zusehen müssen.

Hier liegt eine Ahnenlast, Hajo, die sehr schwer aufzulösen ist.
Hier liegt die Verzweiflung von Generationen von Männern, die nicht wert geschätzt wurden.
Das Problem, das wir hier haben, mag bizarr erscheinen, ist in sich aber dennoch schlüssig.

Er ist aller Ehre wert.
Wer immer es sieht und von außen betrachtet, der wird sagen: „Schau, dieser Mann, was er geschafft hat.“
Wer immer ihn kennt, der wird sagen: „Siehst du, dieser Mann ist aller Ehre wert.“

Aber damit liegt er nicht in seiner Ahnenkette, in denen der Verlust des Aufgebauten, der Verlust der Wertschätzung Programm war.

Er widerspricht in seinem ganzen Leben dieser Art des Männlichseins und nur die Abstürze in den Alkoholexzess schaffen die Brücke zu seinen Vorfahren.

So haben wir hier also eine mehrfache Bindung.
Zum Einen die Bindung an die verletzte Kinderseele, zum Anderen die Bindung an die Ahnen, denen zu folgen ist und daraus ergibt sich die Möglichkeit der Anhaftung.

Grundmotiv dieses völligen in sich Zusammenstürzens ist eine massive Tendenz zur Selbstvernichtung, denn hier wird das Selbst angegriffen, die Würde.

So wie er sich erlebt in diesen Phasen, in diesen Abstürzen und auch danach, bleibt nichts als Scham.
Scham und Entsetzen über das, was da geschehen ist.
Und so lange diese Abstürze anhalten, bleibt es ihm völlig verwehrt, wirklich an seinen Selbstwert zu glauben.

Es hat also eine Funktion.
Ich hoffe, ich habe mich klar genug ausgedrückt.

H: Ja. Also, es bleibt nur die Lösung durch die Familienaufstellung, um diese Anhaftung aufzulösen?

E: Nein, Hajo, die andere Reihenfolge. Zuerst muss die Anhaftung entfernt werden, denn sie ist das Akute.

H: Ja.

E: Und als Nächstes muss die Seelenaufstellung gemacht werden, denn sie ist das Chronische, die Basis, der Nährstoff.

H: Ja, und wie können wir die Anhaftung loskriegen?

E: Wie ihr es immer tut.
Ihr müsst in Kontakt damit treten.

H: Das ist klar, aber ich möchte gerne wissen, wie wir die Anhaftung ansprechen.

E: Es handelt sich um einen Geist, der schon sehr lange von einer Seele zur anderen wandert und der in jeder Seele diese Form der Selbstvernichtung anrührt.
Es geht um Vernichtung.

Und dabei soll alles vernichtet werden, was Wert hat.

Das ist sowohl die Beziehung zur eigenen Familie, das Ansehen, die Achtung der Familienmitglieder als auch die Beziehungen und die Achtung im Geschäftsleben als auch letztlich die Achtung vor sich selbst.

Diese Seele treibt dieses Spiel schon sehr lange und leider findet sie immer wieder neue Opfer, denn Männer, die sich selbst nicht achten, sind bei Weitem nicht so selten, wie man denkt.

Und sie finden sich umso besser in jenen Kreisen, in denen man es am allerwenigsten vermutet.
Ja?

Diese Seele, die an ihm anhaftet, gibt erst Ruhe, wenn er alles verloren hat.

H: Müssen wir sie dann, diese Seele, verbannen oder wie machen wir das?
Wir bringen sie ja wahrscheinlich nicht ins Licht.

E: Das weiß ich nicht, Hajo.

H: Mhm, gut, dann wollen wir es probieren. Ok.
Danke.