Sterben

0480: Ich glaube, ich muss dir mal erklären, wie Sterben ist.

Ich glaube, ich muss dir mal erklären, wie Sterben ist.

Aber eins muss ich auch sagen hier,
dass die ganze Medizin so, wie sie ist,
eine einzige Qual sein kann.

Verstorbenenkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit Harald zu verbinden.
Seine Stieftochter Karin bittet um diesen Kontakt.

Zögerlich kommt er herein, sein Gang ist unsicher, mir fallen seine sehr dünnen Beinen auf, die in keinem Verhältnis zu dem, wie mir scheint, aufgeblähten Bauch stehen.

Er fasst sich an den Oberbauch, er hält eine Hand da drauf, und es scheint ihm sehr unangenehm, er muss aufstoßen, mehrfach hintereinander.

Ich habe den starken Eindruck, dass ihm das sehr peinlich ist.

Uta: Grüß dich, Harald, schön, dass du da bist.

H: Ja, ist schon gut.

U: Harald, war das am Ende deines Lebens so, dass dir dein Leid unangenehm war?

H: Ich hab versucht es zu verstecken, wenns ging, aber das ging eben nicht immer.
Ich wollte das nicht zeigen, ich wollte nicht, dass man mich als den Krebskranken sieht.

Das war mir unangenehm, das war mir nicht nur peinlich, das hat mich auch geärgert.
Ich wollte doch ich bleiben.

U: Das möchtest du hier noch einmal betonen, warum?

H: Ich glaub, sie hat das so gut sie konnte, gemacht.
Sie hat versucht das zu übersehen und hat mit mir einfach so weiter gemacht wie vorher auch.

Ich wollte nicht, dass sie so auf mich eingeht, dann fühlt man sich nur noch kränker, ich wollte doch ich bleiben können.
Und ich bin ihr dankbar dafür, dass sie das so gemacht hat.

Harald schaut sich bei mir um, er lächelt, er setzt sich sehr vorsichtig in einen Sessel und er zeigt mir ganz kurz, dass ihm das sehr große Probleme am Ende seines Lebens gemacht hat, er sagt mir, dass er überall Schläuche hatte, darauf hätte er gerne verzichtet.

Ich weiß nicht, was es bedeuten soll, aber er lächelt so ein bisschen verschmitzt, wirkt gleichzeitig belustigt und verunsichert.

U: Harald, kommt dir diese Situation hier komisch vor?

Na ja, ich sag das mal so: Eigentlich wollte ich nur das glauben, was ich auch sehen kann.

U: Das hat sich geändert, Harald?

Etwas muss sich wohl geändert haben, aber das ist auch in Ordnung.
Er hat ein kleines Foto in der Hand, darauf steht er und er hat ein Kind auf dem Arm.

Und er schaut sich das an und macht so eine zärtliche, streichelnde Bewegung mit dem Daumen darüber und lächelt und dann steckt er das Bild wieder weg und ich weiß nicht, woher dieser Satz kommt, aber er sagt mittendrin: Das ist in meiner Brieftasche geblieben, wo ist denn meine Brieftasche hin? Wo ist die denn schon wieder?

Und dann zeigt er mir, dass er wohl die Angewohnheit gehabt hat, seine Brieftasche in der Gesäßtasche der Hose zu haben und ich weiß nicht, wieso er mich darauf aufmerksam macht.
Dass es so gefährlich ist, das man das so verlieren kann.

Er setzt sich wieder und fasst sich wieder in die Region des Oberbauches und ich frage ihn, ob er große Schmerzen gehabt hat.

Ja, sagt er, das habe ich schon, das war nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war, dass du nicht mehr richtig nachdenken kannst, und dass Schlimmste war, dass ich mich nicht mehr so unter Kontrolle hatte, wie ich das wollte.

Das tut mir leid, ich wollte das so nicht, ich hab manchmal Sachen gesagt, die ich gar nicht sagen wollte.

Es war nicht einfach mit mir, ich war kein einfacher Patient, ich musste wohl durch alles durch. Es war schwer für mich, aber das war auch für meine Familie schwer, die wussten manchmal gar nicht mehr, wie sie mit mir umgehen sollten.

Und dafür möchte ich mich entschuldigen.
Ich möchte, das sie wissen, das sie’s richtig bemacht haben.
Da zweifelt jeder auf seine Weise. Sie reden so wenig darüber, über ihre eigenen Gefühle, hier tut mir das weh.
Er tippt sich aufs Herz.

Jeder hat es versucht, so gut, wir er konnte. Du kannst einen Menschen nicht ändern, so, wie er ist, ist er.

Und in meiner Lage konnte keiner richtig handeln, das war mein Schmerz und meine Wut und mein Kummer und meine Hoffnungslosigkeit.
Es war alles meins.
Es tut mir leid, dass ich manchmal wütend war, ich wollte das nicht.

U: Ich bin sicher, dass sie das wissen und ich bin auch ganz sicher, dass sie dich lieb haben.

Ja, mit der Liebe, wie groß die ist, das merkst du ja erst, wenn du weg bist.
Ich hab ja im Grunde schon vorher gefehlt. Das war ja so, dass ich noch da war, aber das war ja gar nicht mehr ich.

Das war schlimm, wir konnten nicht wirklich Abschied nehmen meine Würde, dass das so an meine Würde ging, das war schlimm, da mag ich gar nicht mehr dran denken.

U: Brauchst du auch nicht, du musst nicht mehr daran denken. Du musst hier nichts beweisen.

Ich war so müde, ich war ja froh, dass ich nicht alleine war. Im Grunde bist du doch ganz auf dich gestellt, wenns so weit ist.
Anders geht das gar nicht, glaube ich.

U: Was geht nicht anders?

Sterben, da musst du ganz bei dir sein. Ich wollt auch gar nicht, dass sie weint. Das hat mich gestört, ich wollte lieber für mich sein.

Ich hab nicht mehr viel nachgedacht, ich hab nur gewartet, dass es aufhört.
Ich hab ja kaum noch Luft gekriegt. Du denkst an gar nichts, du wartest nur noch, dass es aufhört.

U: Ich habe das Gefühl, das du einen sehr starken Kampf hinter dir hast.

Ja, ich wollt nicht sterben, ich wollt das lange gar nicht zugeben, ich war so sicher, dass ich das doch schaffe, ich hab das wie eine Kampfansage angesehen, ich lasse mich nicht unterkriegen.
Es war mir egal, was die Ärzte sagten. Ich wollte das nicht!

Ich wollte nicht sterben, heute weiß ich, dass es vorbei war, die Zeit rum war.

Es war wichtig für mich, dass ich so gekämpft habe.
Heute weiß ich, wie das ist, ums Leben kämpfen zu müssen, wie wertvoll das Leben ist.

Aber eins muss ich auch sagen hier, dass die ganze Medizin so, wie sie ist, eine einzige Qual sein kann.
Und dass man sich doch mal fragen soll, ob das so sinnvoll ist.

Ich hab ja Betreuung gehabt, aber über den Sinn da hätt ich mir mehr Hilfe gewünscht, ich meine, nicht von meiner Familie, fachmännische Hilfe.

U: Hättest du dann Entscheidungen anders getroffen?

Ja, ich glaub schon, ich hab gedacht, ich bin verpflichtet, alles mitzumachen, ich hab gedacht, dass es meine Pflicht ist.

U: Ich würde gerne, wenn du es erlaubst, deinen Charakter, so wie du mir vorkommst, schildern, damit dich deine Stieftochter wiedererkennt.

Ach, ich mag das nicht leiden: Stieftochter.
Für mich ist sie Tochter. Ich will das so nicht sehen, ich meine, zwei Menschen verbindet doch mehr als das Blut.

Wenn das anders wäre, dann wären ja die Menschen, die man liebt, nur dann wichtig, wenn sie blutsverwandt sind, das stimmt doch so nicht.

Ich möchte ihr sagen, dass ich sie lieb habe.
Ich weiß ich hätte das manchmal deutlicher sagen müssen, aber da bist du auch unsicher als Mann, da zögerst du.

Aber ich glaub, sie weiß das, ich bin stolz auf sie.
Sie hat was geschafft in Ihrem Leben, sie hat was draus gemacht, so gut sie konnte

Da kann man doch stolz drauf sein. Und ich möchte, dass sie weiß, dass ich für sie da bin, egal was ist, ich bin immer für dich da.
Das sagt man nicht so leichtfertig, das sagt man, wenns einem tief innen wahr ist: Ich bin immer für dich da, wenn was ist, sag Bescheid.

U: Da wird sie sich freuen, ich hoffe, dass sie versteht, was du meinst.

Sie versteht das schon. Die weiß schon, was ich meine. Sag ihr, ich löse meine Versprechen immer ein.

U: Aber jetzt würde ich wirklich gerne deinen Charakter beschreiben, darf ich das tun?

Wenn du meinst, dass du das kannst?

U: Ich glaub schon, dass ich das kann, du kannst ja einschreiten, wenn du siehst, dass ich einen Fehler mache.

Na ja gut, dann mach das mal. Ich hab nicht so sehr viel für so was übrig.

U: Das ist freundlich von dir, dass du es mitmachst.

Ja. Das sollte man ja gar nicht meinen, dass du so viel richtig siehst.

Er lacht.
Ich glaub, er macht ein bisschen scherze mit mir, er nimmt mich hoch und amüsiert sich dabei das, ist nicht bös gemeint, sondern ein liebenswertes Necken.

Ich denke, er konnte einen Menschen durchaus beeinflussen, aber er tat dies auf eine so vorsichtige Art und Weise, dass man dem kaum widerstehen kann.

Seine Art, mich hier im Reading zu lenken, ist sanft, so gutmütig und heiter, er geht nicht grob vor, sondern er zeigt mir nach und nach, worauf er wert legt.

Ich habe den Eindruck, dass er eine Persönlichkeit war, die den Betrachter einfach fesselte, man kommt nicht an ihm vorbei, er ist da und präsent, und dann ist er ganz da und ganz präsent.

Manchmal ist er wie ein Feuerwerk, der vor Ideen und Lebensfreude sprühen kann und er ist sehr charmant.
Ich denke, da hat er wirklich mit seinem Charme auch einiges erreichen könne, was andere Männer nie erreichen.

Dennoch spüre ich in ihm Verantwortungsbewusstsein und ganz klare Prinzipien, an die er sich hält und wenn er jemandem einmal ein Wort gegeben hat, war er im besten Sinne zuverlässig.

Er hat nach seinen festen Prinzipien gehandelt und das war gut, das war etwas, woran sich auch alle anderen orientieren konnten, er war ganz klar in seinen Werten: Ein Ja war ein Ja und ein Nein war ein Nein.

Ich denke, das ist nicht immer einfach für ihn war, seine Gefühlswelt darzustellen, dass er oft in der Logik hängen blieb.
Und dass das auch etwas ist, wo er heute sagt, dass ihm das leidtut.

Dass er sehr wohl weiß, dass du manchmal mehr Gespräche über sein Gefühl führen wolltest, aber dass ihm das immer schwer gefallen ist.
Er ist nicht so erzogen worden, über seine Gefühle zu reden, das heißt aber nicht, dass die nicht da waren oder nicht tief genug gewesen, wären, die waren tief.

Er sagt mir in diesem Zusammenhang, dass es ihm leidtut, dass er manchmal reizbar war, dass er dann heftiger und lauter war, als es vielleicht gut gewesen ist, dass er aber immer versucht hat, sich da zu kontrollieren und dass er doch eigentlich immer dann wütend geworden ist, wenn er Angst um jemanden hatte.

Und er zeigt mir wieder auf den Magen und ich hab das Gefühl, das er vielleicht auch dazu geneigt hat, viel in sich reinzufressen, gerade auch Gefühlsdinge nicht zu sagen.

Ich glaube, dass er manchmal nicht wusste, wie weh einige seiner Worte dir getan haben und das er deshalb jetzt hier sehr deutlich versucht, klar zu machen, dass hinter allem immer wirklich Liebe gesteckt hat.

Dass er dich lieb gehabt hat und geehrt hat und dass du für ihn ein wichtiger Teil seiner Familie warst.

Ich denke, er hat es wirklich nicht leicht gehabt in seinen emotionalen Einstellungen.
Dass er das in sich fühlte, aber das nicht in Worte bringen konnte, was er fühlte, dass daran auch seine Kindheit beteiligt ist.

Ich hab das Gefühl, das er eine Mutter hatte, die ihm halt auch nicht diese Herzlichkeit geben konnte, die ein kleines Kind braucht, aber er will davon nichts hören, er winkt ab, er will nicht über seine Mutter sprechen, er meint, es wären schwere Zeiten gewesen und für ihn ist das abgeschlossen.

Dass man die Menschen verstehen muss, dass es Menschen gibt, die können eben ihre Liebe nur über ihr Handeln verstehen.

Er nickt.

Ich habe sogar das Gefühl, das ihm seine Mutter viel bedeutet hat, aber dass auch zwischen ihnen so eine Sperre war, über ihre Emotionen zu sprechen.

Ich weiß nicht, was das bedeuten soll, aber in diesem Zusammenhang zeigt er mir einen Blumenstrauß, den er hält, das sind Astern, ich weiß nicht, warum er mir das zeigt, das bekomme ich.

Aber ich denke, dass er manchmal das starke Bedürfnis hatte, sich zurückzuziehen, ganz für sich zu sein und dass es in solchen Momenten sehr schwer für ihn gewesen ist, jemand anderen zu sich zu lassen, dass er dann sich einigelte, einkapselte, vielleicht war das seine Möglichkeit, emotional mit sich ins Reine zu kommen.

Und er meint zu diesem Aspekt, das soll ihm keiner übel nehmen, er hätte das gebraucht in seinem Leben, das hätte vielleicht manchmal wie so ein Auf und Ab gewirkt, aber wenn er so was hinter sich hatte, dann war es wieder gut.

Ich denke, dass er in seinem ganzen Sein versucht hat, fair zu sein und dass es sich hier in der Nachbesprechung seines Wesens selbst sehr kritisch beurteilt, kritischer, als es sein müsste.

Ich glaube, dass er im Grunde seines Wesens davon geprägt ist, anderen Menschen gegenüber so fair wie nur möglich zu sein, dass er das allerdings auch von anderen erwartet hat und sehr intensiv darauf reagieren konnte, wenn das nicht so war.

Ungerechtigkeit ertragen zu müssen oder auch nur zuzusehen, das war sehr schwierig.
Das waren Dinge, die er gar nicht gut vertragen hat.

Hier bekomme ich auch Schwierigkeiten im Zusammenhang mit seiner Arbeitssituation, das ging ihm gegen den Strich, Dinge tun und sagen zu sollen, die nach seinem Rechtsempfinden nicht gut waren.

Ich habe sogar das Gefühl, dass das etwas war, was maßgeblich daran beteiligt war, in seine Krankheit zu kommen.

Er lenkt ein bisschen ab, er sagt, davon wird man nicht krank, jedenfalls nicht so, dass man daran stirbt, aber mit dem größten Bemühen, optimistisch zu sein und die Dinge realistisch zu sehen, es eben doch wehgetan hat.

Er war in seinem ausgeprägten Rechtsbewusstsein gekränkt im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich glaube, dass er so, wie er dachte, allen Menschen seiner Umgebung eine Hilfe war, Ihnen dabei geholfen hat, die Dinge realistisch zu betrachten, weder überzogen noch zu wenig beachtet, sondern dass er einem sehr, sehr dabei helfen konnte, eine innere Ordnung wiederherzustellen, egal wie groß die Probleme waren und das ist etwas was allen, die mit ihm zu tan hatten, jetzt auch fehlt.

Dieser Ratgeber, dem man durch ein Gespräch abverlangen konnte und durfte, dass er einem dabei half, wieder klar zu denken.

Was mich an ihm sehr beeindruckt, das ist, dass er immer wieder, obwohl wir manchmal sehr schwere Aspekte seines Lebens betrachten und obwohl ich von ihm immer wieder Gefühle der Trauer und auch einer inneren Unerreichbarkeit bekomme, es ganz schnell wieder wechselt in eine große Heiterkeit, Zuversichtlichkeit.

Was ich sehr schön an ihm finde und was mir Spaß macht, mit ihm zu sprechen trotz der Schwere des Themas, das ist so ein Gefühl von Freude, Lebensfreude, Zuversicht, dass es mir selbst sehr gut tut, in Kontakte mit ihm zu sein.

Ich glaube, wenn der Harald etwas liebte, dann richtig, nicht halb.
Wenn er von etwas begeistert war, dann richtig und das empfinde ich als sehr schön.

Hier steckt Kraft in seinen Emotionen, hier steckt sehr viel Freude, für die es keine großen Anlässe brauchte, man muss ihm nicht Kostbarkeiten bieten, damit er etwas schön findet, er kann einen schönen Tag mit Sonne, ein paar Vögeln, ein paar Blumen als genauso kostbar empfinden wie andere Menschen großartige Autos.

Obwohl er mir sagt, dass er Autos auch mochte und dabei lacht er.
Er konnte genießen, er konnte das, was schön war und gut war und Spaß machte, richtig genießen, das ist eine kostbare Gabe und er sagt: Am liebsten würde er dir diese Gabe geben.

Ich denke, er hat gerne gelebt, er wollte leben und er wusste, was er loslässt, als er sterben musste.
Begeistert sein ist etwas sehr Schönes, sagt er.

Ich denke, dass er mit dieser Begeisterungsfähigkeit andere auch mitreißen konnte, dass er wirklich die Gabe hatte, in anderen Menschen das Beste herauszuholen.

Und ich habe das deutliche Gespür, dass das immer noch ein Hauptteil seines Wesens ist und dass das tiefere Grund für dieses Reading ist.

Er hat dieses Reading gewollt und er möchte dich gerne mitreißen und mitnehmen in seine Begeisterung, in seine Freude am Leben, man kann diese Einstellung gar nicht hoch genug schätzen.

Ich habe vorhin gesagt, dass Harald seine Prinzipien hatte, an die er sich auch hielt.

Das bedeutet aber nicht, – wirklich gar nicht – dass er ein Prinzipienreiter war, sondern er hat sich bemüht, andere Menschen zu verstehen, er hat sich wirklich bemüht, zu begreifen, warum Menschen tun, was sie tun.

Er war durchaus in der Lage, für andere Menschen einen anderen Maßstab gelten zu lassen, auch das ist eine besondere Fähigkeit und Gabe, die man sicher ehren muss.

Er findet das, was ich hier mache, sehr eigenartig, aber er ist tolerant und offen genug, es auszuprobieren.

Und er ist bereit, seine Meinung auch zu ändern. Ich denke, das ist wichtig zu erwähnen.

Ich glaube, dass er von den wenigen Ausnahmen abgesehen, die ihre Ursache in seiner Kindheit haben, – in der Zeit, so wie sie damals eben war, schwierig, drückend und lastend – im Grunde seines Herzens ein lebensbejahender, charmanter und mitreißender Mensch war.

Einer, dem man das glauben konnte, wenn er sagte, ich liebe dich, wenn er es einem zeigte und spüren ließ, dass das Leben schön ist und Freude macht.
Und ich glaube, er hat viel dafür getan, dass man ihm das glaubt.

Er hat gerne Geschenke gemacht und nicht unbedingt nur begrenzt auf Geburtstage und Weihnachten, sondern anderen Freude machen, zuschauen dürfen, wie die sich freuen, wir ihre Augen strahlen, das war ihm das Größte, andere beschenken, nicht nur mit materiellen Dingen, sondern auch mit dem, was man kann, mit dem, was man weiß.

Ich habe den Eindruck, dass dieses das Hauptanliegen seines Lebens gewesen ist.

Er hat so einen feinen Humor, man muss gut aufpassen, denn er ist manchmal hintergründig und man kommt nicht gleich drauf, und dann freut er sich, dass es ihm gelungen ist, dann lacht er spitzbübisch, das macht ihm Spaß.

Auch wenn man selber gerade niedergestimmt ist und traurig und so etwas von ihm kommt, dann muss man doch lachen, plötzlich ist alles nicht mehr ganz so schlimm, was für eine große Gabe das ist.
Ich glaube nicht, dass ihm das klar war.

Ich denke, dass er sein Leben lang versucht hat, den Menschen, die von ihm abhängig waren, Sicherheit zu schaffen, Wohlstand.

Er hat es selbst geliebt, schöne Dinge um sich zu haben, er hat auch gerne mal sich etwas gegönnt, was verrückt war, ich bekomme da wieder das Wort Auto, weiß aber nicht, ob das für ihn gilt oder für einen anderen.

Er hat die Freude am Leben gesucht und umso dramatischer kommt es mir vor, dass er dann so früh gestorben ist.

Und da nickt er, er nickt, ich bekomme hier nicht so einen Trost, der sagt, es musste eben so sein, er steht da nicht drüber.
Er bedauert seinen frühen Tod auch.

Ich frage ihn, ob er gerne gelebt hat und er sagt: Ja, ja, das hat er.
Und er bedauert nichts, er bereut nichts, und das soll ich auch einer Frau ausrichten lassen.

Ich weiß nicht, wen er meint, er sagt mir dafür, dass er nichts bereut, nichts bedauert, sie soll das wissen.
Er sagt mir, dass jede Stunde für ihn wertvoll war und dass er so froh ist, dass er sie hatte.

Ich meine aber, dies ist eine andere Form von Liebe als seine Liebe zu dir.

Wenn wir uns in Gedanken an dich wenden, dann spüre ich eine gütige, freundliche und tiefe Zuneigung.

Ich glaube, es war am Anfang nicht leicht, für ihn nicht und für dich nicht, aber wenn ich seine Emotionen richtig deute, dann fühlt er für dich eine tiefe Herzlichkeit, ein tiefes Vertrauen vor allem, für das er sehr, sehr dankbar ist.

U: Harald, könntest du mir ein paar Bilder geben, die vielleicht in ihrer Bedeutung wichtig sind oder eine Erinnerung sein könnten?
Ja, aber du triffst sie ja nicht immer richtig.

U: Das hast du schon gehört?

H: Ja, ich hab mich umgehört. Ich komm doch nicht zu dir, ohne mich vorher kundig zu machen.

U: Ja, das ist richtig, manche Bilder kommen von anderen dazwischen. Aber die Bilder, die richtig sind, sind dann umso wichtiger.

H: Ja, wir können das ja mal versuchen. Obwohl, dann kann man das ja eigentlich nicht so ernst nehmen.

U: Wenn das Bild stimmt, kann man das ernst nehmen, meinst du nicht?

H: ja, dann schon.

U: Gut, wollen wir es versuchen?

H: Na ja, mach mal.

U: Das erste Bild, das ich bekomme, zeigt ihn in einem Poloshirt, da sind am Kragen zwei kleine Flecken drauf, ganz winzig.
Und obwohl er es eilig hat oder eilig zu haben scheint, zieht er es hastig aus und zieht was anderes an.

Ich glaube, er konnte das nicht leiden, wenn an seiner Kleidung irgendetwas war, er war sehr sorgfältig, was sein äußeres Auftreten anging, er mochte das einfach nicht.

Das hing nicht damit zusammen, wie andere darüber urteilten, sondern er selber mochte das nicht, er mochte die Dinge schön haben an ihm selbst und er war niemand, der sich da gerne gehen ließ.
Sondern er fühlte sich wohl, wenn die Dinge, die er trug und bei sich hatte, in Ordnung waren.

Ich bekomme ein Rasierwasser gezeigt, eine viereckige Flasche mit einem schwarz-goldenen Kopf drauf, die Inschrift kann ich leider nicht lesen, das riecht sehr angenehm.

Das sind nicht diese üblichen Rasierwasser, die man so kennt, sondern das riecht schon edler und auch da habe ich das Gefühl, das er sich dran freut, dass er sich halt an Dingen, die ein bisschen edler und kostbarer waren, sehr freuen konnte.

Er zeigt mir auch seine Schuhe, Lederschuhe, sehr gut gepflegt, mit einem schönen Glanz, da muss man sich schon Mühe geben, bis die so ausschauen.

Ich sehe ein großes Fenster, helles Licht strahlt herein, ich denke, das ist ein Wohnzimmer, das sieht gediegen aus, was hier ist.

Holz-Möbel, die sehr gediegen sind, ist finde sie aber ein bisschen altmodisch, ein bisschen schwer und drückend von der Atmosphäre her und irgendwie passt er da gar nicht zu.

Wir gehen weiter, es kommt ein anderes Bild, ich sehe ein Schiff, ein weißes, ein Dampfer, sehr schön in der Form, die Stimmung ist heiter, strahlend blauer Himmel, wunderschön.
Ich seh das allerdings von oben, also, ich blicke irgendwie von einer höheren Position auf dieses Schiff hinunter,

Ich bekomme wieder ein anderes Bild: Ein Mädchen mit einem Luftballon, ein großer Luftballon, und der Luftballon steigt auf, ich weiß nicht, ob das Mädchen den Luftballon absichtlich losgelassen hat oder nicht, aber der Luftballon steigt auf, ich sehe, dass er die eine Herzform annimmt, ich vermute, es ist eine symbolische Bedeutung, es ist ein sehr, sehr gemischtes Gefühl, Freude und Melancholie mischen sich da rein.

Dann bekomme ich das Wort Hochzeit genannt und in diesem Zusammenhang bekomme ich wieder ein sehr gemischtes Gefühl, Freude und Trauer liegen hier ganz eng beieinander, ich kann das kaum auseinander halten, ich möchte einmal weinen und einmal lachen.
Dazu bekomme ich allerdings kein Bild.

Ich sehe jetzt eine bewaldete Gegend, leichte Hügellandschaft, spitze Giebeldächer, es muss ein alter Ort sein, und es ist schön, hier im Wald zu sein.

Ich bekomme Gefühle des zur Ruhe Kommens, des Frieden Habens, ich bekomme den Duft vom Wald, jemand reicht mir – es ist eine kleine Hand – Schlüsselblumen.

Und ich bekomme jetzt dunkle Erde gezeigt, wie Graberde, da sind Primeln drauf gepflanzt, die sind aber nicht mehr gut.

Jemand nimmt sie raus, harkt neu, setzt neue Blumen rein, sehr sorgfältig, sehr liebevoll, da ist eine Vase.

Und da gibt’s im Gegensatz zu dem Bild eben dieses Pflegen des Grabes, das hat sich gut angefühlt, aber bei der Vase ist es so, als wenn es da eine Art Streit oder Konkurrenzkampf gibt, ich weiß nicht, was das soll, jedenfalls werden da Blumensträuße gewechselt, manchmal auch vor der Zeit, ich weiß nicht, warum, als gebe es da irgendwelche Auseinandersetzungen.

Ich bekomme jetzt Kinderschuhe gezeigt, sehr klein, nur diese Kinderschuhe, irgendwie im Zusammenhang mit Geld, was das zu bedeuten hat, weiß ich nicht.
Ich bekomme keine weiteren Informationen.

Wieder das Schiff, diesmal ist es ein kleines Schiff, es sieht fast so aus wie ein Modellschiff.
Ich bekomme ein Auto gezeigt, ich kenne mich leider mit Automarken nicht aus, es ist ein schnelles Auto, ein Cabrio, glaube ich, und ich bin mir nicht sicher, ob er das je gefahren ist oder ob er sich das nur gewünscht hat.

Es ist so ein Gefühl des Interesses, der Spannung, der Heiterkeit, es müsste einfach Spaß machen, damit zu fahren, mit offenem Verdeck auf einer Landstraße, rechts und links belaubte Bäume.

Die Gegend hier ist relativ flach, ich sehe ein Rapsfeld, wir fahren schnell im Sonnenschein, neben mir sitzt eine Frau mit einem kurzen Rock, sehr schlanke, sehr hübsche Beine.

Ich bekomme einen Kinderwagen gezeigt, eher etwas altmodisch, den würde ich in die siebziger Jahre bringen, das ist ein spannungsvolles Gefühl.

Das Gefühl zu dem Kind dort in dem Kinderwagen, das ist freundlich, ein bisschen besorgt, aber freundlich.

Das Gefühl zu der Frau neben mir ist gespannt, ich habe den Eindruck, dass sie mir immer wieder Schwierigkeiten bereitet, ich verstehe sie nicht richtig.

Und dann bekomme ich wieder eine Frau gezeigt, eine Frau, die einen Blumenstrauß wie bei einer Hochzeit hält, aber kein Brautkleid anhat.

Die ist jung und hübsch und ich bekomme von ihm ausdrücklich gesagt, zärtlich, sehr zärtlich.
Kann das sein, das er zweimal verheiratet war?
Zu dieser zweiten Frau hat er jedenfalls ein sehr, sehr liebevolles Gefühl.

Zum Schluss bekomme ich eine Mappe gezeigt, da sind Urkunden drin, Schriftstücke, die ihm sehr wichtig waren.

Das regt er sich auf, ich habe das Bild und bekomme große Aufregung in ihm.
Und ich glaube, da ist auch Zorn, ich habe das Gefühl, das er mit dem Ergebnis sehr, sehr unzufrieden ist.

Ich denke, da ist etwas auch mit seiner Rente oder Erbe, womit er unzufrieden ist, was ihn ärgert, es hätte mehr dabei rauskommen müssen und das macht ihn schon zornig, nicht für ihn selbst, sondern für seine Hinterbliebenen.

Zum Schluss bekomme ich zwei Fahrräder gezeigt, ein großes und ein kleineres, und das Gefühl des Friedens, der Ruhe.

Ganz kurz bekomme ich einen kleinen Hund gezeigt, weiches Fell, ganz klein, ich weiß nicht, ob der hier zu seinen Bildern gehört, das ist sehr kurz.

U: Ich möchte mich für die Bilder bei dir bedanken, Harald, und ich würde jetzt sehr gerne die Fragen stellen.

H: Ja, mach mal.

U: Die erste Frage von Karin ist, ob du ihr böse bist, weil sie es in deiner Sterbestunde nicht übers Herz gebracht hat, mit dir im gleichen Raum zu sein.

Er lächelt und schüttelt den Kopf.

H: Ich bin dir nicht böse, du bist dir böse, und warum?
Weil du immer von dir erwartest, dass du alles richtig machst, aber wenn du da geblieben wärst, das wär nicht richtig gewesen.

Machen wir uns nichts vor, das hättest du nicht ausgehalten, du hättest geschrien.
Du weißt ganz genau, dass dir das Aufschreien schon im Hals gesteckt hat.

Du kennst mich doch, glaubst du, ich hätte es ertragen, dich schreien zu hören? Da wäre ich doch nie gegangen.

Ich weiß, was ich für einen Anblick geboten habe, und ich weiß, was du gefühlt hast.
Du konntest doch gar nicht mehr.

Glaubst du, ich hätte von dir verlangt, dass du mehr tust, als du konntest?
Findest du nicht, dass du dir das jetzt verzeihen kannst, dass es das war?
Du konntest nicht mehr und ich wollte, dass du gehst.

Ich wollte das, ich wollte doch nie jemandem etwas auflasten, was er nicht tragen konnte.

Ich glaube, ich muss dir mal erklären, wie Sterben ist.
Du ziehst dich zurück in dich selbst, da wird’s ganz still in dir.

Es ist egal, was der Körper macht, ob du noch Luft kriegst oder nicht, es wird still in dir und die Stille brauchst du.

Wenn dann um dich rum Aufregung ist und lautes Weinen und Schreien und Seufzen, da findest du die Stille nicht, da musst du immer wieder kämpfen.

Ich wollte in der Stille sein, es war doch schwer genug.
Ich war bei dir, gleich danach, hast du es gespürt?

Aber ich hätte dich so gerne geküsst, ich hätte dich so gern noch einmal in den Arm genommen.
Aber wenn man erst einmal über die Schwelle gegangen ist, dann ist man nicht mehr zu spüren.

Ich bin trotzdem bei dir gewesen, erinnerst du dich?
Da war ein bisschen was von meiner Stille in dir und du hast dich gefragt, warum du plötzlich ruhig bist.

Ich hab dich lieb, Karin, aber der letzte Schritt, den muss jeder Mensch für sich alleine tun.
Und das war richtig, dass du gegangen bist.

U: Harald, gibt es irgendetwas, was du deiner Familie unbedingt mitteilen möchtest?

H: Ja, ich möchte, dass sie zusammenhalten.
Und ich möchte, dass das aufhört, dass sie darum kämpfen, wer der Bessere ist.

Ich habe sie alle lieb gehabt, jeden auf seine Weise.
Und ich möchte, dass sie zu ihr halten.
Die Finanzen, das hat mich nicht gefreut am Ende, aber so war das nun mal.
Damit muss man abschließen.

Du kannst den Zusammenhalt nicht erzwingen, das geht nicht.
Aber man kann Zerwürfnisse auch herbeiführen.

Eine Familie gehört zusammen, das sind keine Konkurrenten. Und keiner ist besser als der andere.

Ich hab immer versucht, das auch so klarzustellen und ich möchte allen sagen, dass ich nicht sterben wollte, ich wollte es nicht.

Das Leben ist schön und es ist kostbar.

U: Harald, gibt es etwas, was du Karin empfehlen möchtest?

H: Karin sucht sich einen Schutz, sie möchte jemanden haben, der sie beschützt.
Aber, Karin, du musst das in dir selber finden.
Kein Mensch kann sich so gut beschützen, wie du das selber kannst.

Gib dich nicht auf, lass nicht zu, dass andere von dir immer nur das Beste verlangen, kein Mensch kann immer nur das Beste geben.

Sei gerecht zu dir selber!
Wenn du dich beurteilst, dann hört sich das an, als ob ein Richter über dich spricht.
Ich will das so nicht.

Warum hast du nicht manchmal ein bisschen mehr Nachsicht mit dir selbst.
Mit dir selbst zufrieden sein!
Das musst du jetzt lernen!

Früher warst du glücklich, wenn ich mit dir zufrieden war, weißt du noch?
Wie stolz du dann warst, wenn ich dich gelobt habe.

Es tut mir leid, ich hatte so wenig Zeit für dich.
Aber du musst lernen, für dich Zeit zu haben, jetzt musst du das in dir finden, was ich dir mal war.

Je mehr ein Mensch gibt, umso mehr wird von ihm gefordert.
Merk dir das.

Überleg doch mal: Je tüchtiger du bist, umso mehr Arbeit kriegst du, je mehr du erträgst, umso mehr bekommst du aufgeladen.
Du musst das ändern, DU musst das ändern.

Ich hoffe, du siehst das irgendwann mal ein.

Das Neinsagen fällt dir schwer, aber wenn du Nein sagst, bist du manchmal so zickig, dass die anderen nur sauer werden.
Versuch das doch mal anders.

Ich bin sehr stolz auf dich, aber du musst mehr Nachsicht mit dir selbst haben.

U: Karin fragt: Ist es dir möglich, über deine Familie und denen, die dieser Familie am Herzen liegen, zu wachen oder sie gar zu beschützen?

H: Karin, ich bin manchmal bei euch und ich rede mit euren Schutzengeln, aber ich bin kein Schutzengel, ich bin Harald, ich bin auch nicht nur der Vater und der Mann, ich bin auch Harald.
Wenn ich jetzt euch beschützen muss und über euch wachen muss, bin ich doch immer noch in meiner alten Rolle.
Mädchen, das darfst du nicht von mir verlangen, das geht nicht.

Ich bin ja da, manchmal spürst du es auch, wenn ich dich am liebsten in die Arme nehme.

Das spürst du in dir und ich möchte euch gerne meine Kraft geben und ich möchte euch gerne davon abgeben, was ich in mir hatte an Lebensfreude und Zuversicht, aber für euren Schutz, da bin ich nicht zuständig, das müssen die tun, die dafür berufen sind.

U: Tut dir das weh?

H: Ne, das tut mir nicht weh, ich bin froh, dass das so ist.
Ich bin so froh, dass ich mein Leben leben kann.

Es ist schwer zu verstehen, aber man ist nicht immer nur in der Rolle, die man früher hatte.
Ich bin ja weitergegangen.

U: Es geht um dich, nicht?

H: Ja, hier gehts um mich. Und es muss doch auch mal nur um mich gehen dürfen!

U: Da hast du Recht.
Was empfindest du, wenn deine Familie so traurig ist?

H: Schmerz, es tut mir weh. Ich weiß das ja, ich weiß doch, was ich für eine Lücke gerissen habe und das tut mir weh, aber ich kann das nicht ändern.

U: nein. Karin fragt, wie es dir geht.

H: Ach, Mensch, mir geht’s gut hier, mir gehts wirklich gut.
Ich habe schon fast alle Stufen durchschritten, ich hab soviel gelernt. Das hätt ich nie gedacht.
Man sollte es ja nicht glauben, aber auch das Jenseits hat mit Zahlen und Formeln zu tun, das macht Spaß.

Es macht Spaß, zu verstehen.
Ich bin frei und ich bin hier und ich versuche, anderen meine Freude zu schenken.

Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll jetzt hier, aber dass ist das, was ich auch bei meiner Familie versuche.

Denn ich versuche, sie da zu stärken, dass sie ihre Freude finden, das ist ganz schön schwierig.
Das ist viel schwerer, als ich dachte, die sind alles so stur.

U: Habe ich das richtig verstanden, du versuchst aus dem Jenseits heraus, ihnen ihr Bewusstsein für die Lebensfreude zu stärken?

H: Das hast du richtig verstanden.

U: Das ist sehr schön von dir.

H: Ne, das ist notwendig.
Das ist das Wichtigste überhaupt!
Ich möchte noch eins sagen, du hörst doch jetzt auf, oder?

U: ja. Ich hör gleich auf.

H: Dann möchte ich noch sagen, dass ich allen dankbar bin, ich bin dankbar.

Ich war nicht allein, bin ich nicht weggestoßen worden wie so viele andere, und sie haben mich ertragen, obwohl ich manchmal unerträglich wurde.
Das haben sie so wegsteckt und ich fand das gut.

Manchmal wolle ich streiten, ich wollte meine Wut rauslassen.
Das tut mir leid, aber das war mir nicht anders möglich.

Ich möchte mich wirklich herzlich dafür bedanken, bei jedem Einzelnen.

Ich weiß, wie weh ihnen mein Verfall getan hat, ich weiß, dass sie mich manchmal gar nicht mehr angucken konnten und dass sie es trotzdem durchgestanden haben.

Darauf bin ich auch ein bisschen stolz, weil, das zeigt doch, wie lieb sie mich gehabt haben.

Sie sollen keinem böse sein, das war schwer.

Ich bedanke mich, auch bei dir jetzt.

U: Ich danke dir, Harald, und ich hoffe, dass wir Karin ein wenig trösten konnten.

H: Ja, das haben wir schon gemacht. Kannst du ihr was von mir geben?

U: Du meinst den Ball, den Baseball, oder?

H: Ja, das ist ein Baseball.

U: Hat der was zu bedeuten?

H: Das werdet Ihr noch sehen.

Er lächelt dabei ganz verschmitzt und ich habe den Eindruck, dass das vielleicht ein Geschenk für eine ferner gelegene Zukunft ist.

U: Ich danke dir, Harald, und ich wünsche dir ein gutes Sein.

H: Ich danke dir, Gottes Segen mit dir.

U: danke.