Seele

0518: Wenn es für die Seele genug ist, gelebt zu haben.

Wenn es für die Seele genug ist, gelebt zu haben.

Ich habe alles gelebt, was zu leben war,
und dann war es einfach genug.

Meine Ohren konnten nicht mehr hören
und meine Augen nicht mehr sehen
und mein Körper nicht mehr spüren.

Aber ich habe euch gespürt, also die Seele.

Verstorbenenkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit Gregor zu verbinden, sein Sohn Christoph bittet um diesen Kontakt.

Ich sehe, wie sich ganz vorsichtig die Tür einen Spalt weit öffnet, ich bin in diesem Augenblick gar nicht in meinem Büro, sondern scheine in einem Kinderzimmer zu sein…

Es gibt noch ein weiteres Bett hier im Raum, das ist allerdings leer. Erst fällt warmes Licht aus dem Flur in das Zimmer, in dem ich im Bett liege, dann schiebt sich das Gesicht von Gregor herein, lächelnd, viel erkennen kann ich nicht…

Ich stelle mich schlafend, ich höre, wie er flüstert: Schläfst du schon? Aber ich antworte nicht, aber ich spüre, dass er hereinkommt, bis an mein Bett, mir ganz sanft die Stirn streichelt, er riecht ein ganz klein wenig nach Rauch und Wein und ich denke, das ist dieses Rasierwasser „Tabak“.

Ich fühle, dass er sich über mich beugt, ganz leise und mich noch ein wenig besser zudeckt, dann flüstert er: Schlaf schön und geht leise wieder aus dem Zimmer und schließt die Tür…

Während der ganzen Zeit fühle ich mich so gut, so geborgen und so sehr geliebt, ich wollte nur nichts sagen, das wäre so gewesen, als hätte ich einen ganz besonderen Zauber zerstört…

Es dauert eine ganze Weile, ehe Gregor sich von dieser Erinnerung löst und zu mir kommt.

Er ist älter, sehr viel weniger Haare (fast kahl), aber das Gesicht im Grunde noch feiner, noch sensibler als auf dem Foto, nur die Lippen sehen eigenartig dunkel aus… das wirkt unnatürlich.

Er trägt eine graue Weste, ein Hemd darunter, eine graue Hose. Er wirkt gar nicht so krank, nur seine Hände fallen auf, sie haben so viele Sommersprossen oder Altersflecken, ich kann das nicht so genau sagen…

Er zeigt mir seine rechte Hand mit einem relativ schmalen Goldring, da ist etwas eingraviert, er zeigt mir das, aber ich erkenne die Ziffern nicht, eine Jahreszahl, ich erkenne eine 5 … eine 1 … das ist wirklich schwer…

G: Ach, macht ja nichts, sag ihr bitte, den würde ich jederzeit wieder tragen wollen. Ich war sehr glücklich mit ihr, immer würde ich sie wieder heiraten. Es hat nicht jeder so ein Glück!

U: Das mache ich sehr gerne (es ist eine sehr tiefe, stille Liebe zu spüren, die Gregor über mich an seine Frau schicken möchte).

G: Sagst du ihr, sie soll auf ihre Augen achten?

U: Mach ich gerne…

G: Ja? Nicht überanstrengen!

U: Sag ich ihr…

Er will mir irgendwas wegen einer Operation sagen, ich weiß allerdings nicht, um was genau es sich handelt, er bittet mich nur, dass deine Mutter gelassen bleiben soll, es wäre für alles gesorgt, alles ist gut!

G: Mach ich das jetzt so richtig?

U: Das machst du prima, danke, Gregor, du weißt, wer mich um diesen Kontakt gebeten hat?

G: Ja, Christoph.

U: Ja, bist du denn schon einverstanden damit?

G: Ich bin doch nicht krank!

U: Nein… aber dein Tod ist noch nicht so lange her…

G: Ich weiß das doch, das weiß ich ja, aber deshalb geht’s mir trotzdem nicht schlecht.

Es geht bei Gregor allerdings doch noch ein wenig „drunter und drüber“, er hat offensichtlich Schwierigkeiten damit, mir Bilder, Emotionen und Worte in einer geordneten Reihenfolge zu geben. Es dauert ziemlich lange, bis er jeweils „stabil“ ist und die Übertragung einen Sinn ergibt.

Er steht auf, geht durch den Raum, betrachtet meine homöopathischen Arzneimittel, er nimmt das Mittel Arsenicum album heraus und stellt es mir auf den Schreibtisch.

U: Meinst du mich?

G: Ja, denk doch mal nach! (Das sagt er sehr freundlich.)

U: Ja gut, das mach ich, ich werde über dieses Mittel nachdenken.

Er hat so eine Art, zu lächeln, das gibt mir Kraft, er ist wirklich wie jemand, der es versteht, im schlimmsten Sturm noch Hoffnung zu bringen.

Ich bin wirklich sehr, sehr erstaunt, dass er eine so starke Energie hat, so kurz nach dem Tod ist das sehr ungewöhnlich.

G: Ach, ich war eigentlich nie anders. Ich habe das Leben geliebt, so wie es war. Ich habe das Gute und das Schwere angenommen, so erhält man sich den seine Lebenskraft.

Das ist gar nicht schwer für mich gewesen…

Wenn man mich fragen würde, was ich anders machen würde, ich müsste sagen: nichts.

Ich bereue keinen Tag, aber es war schwer, manchmal. Die Leute haben sich gewundert, wie man so was tragen kann, aber ich habe es angenommen…

U: Mein Eindruck ist, dass du dich da auf den Tod deines Sohnes beziehst?

G: Es hat schon mein Leben verändert, du fängst an, nach dem Sinn zu suchen. Aber der Sinn ist, dass man lernt, das anzunehmen, was einem gegeben wird.

Bist du gerne Mutter?

U: Oh ja!

G: Siehst du! Und ich war gerne Vater! Meine Frau hat manchmal gesagt, dass ich selbst wie ein Kind bin, aber ich war einfach beides.

Ich habe so gerne gelebt!

Er zeigt mir eine Taschenuhr, die Zeiger drehen sich mit großer Geschwindigkeit …

U: Die Zeit vergeht so schnell, willst du das damit sagen?

G: Man muss seine Zeit ausnutzen, du bekommst keinen Tag zurück, den du verschwendet hast!

U: Was ist denn Verschwendung?

G: Mit sich zu hadern. Das hat keinen Sinn, annehmen, was kommt, ist viel wichtiger. Ich konnte das, ich konnte mich freuen am Guten im Leben, ja, das konnte ich und deshalb bin ich satt geworden …

U: Satt geworden?

G: Ja, satt, ich habe ein volles Leben gehabt, ich habe alles gelebt, was zu leben war und dann war es einfach genug.

Ich wusste, dass es genug war, ich habe gespürt, dass es langsam reicht.

Aber ich habe damit nicht gehadert, ich habe es so gelebt, wie ich es leben wollte.

U: Du meinst, du wusstest schon, dass du im Grunde todkrank warst?

G: Das Gefühl war manchmal nicht mehr zu verdrängen… ich konnte in Würde gehen.

Christoph, ich bin gar nicht so böse wegen der Reanimation, so konntet ihr euch auch noch darauf einstellen.

Ich war schon hier, aber ich habe darum gebeten, noch einmal zurückzudürfen, damit ihr euch wenigstens von mir verabschieden könnt.

Für einen Moment war ich in Versuchung, das nicht zu tun, es wäre ganz leicht gewesen, aber dann habe ich mir gesagt: Nein, das machst du jetzt nicht, gib ihnen Zeit.

Wir waren eine Familie, die zusammenhält, einer für alle, alle für einen, Uta!

Das ist doch ein Geschenk, findest du nicht auch?

U: Das ist so, ganz bestimmt!

G: Das hört nie auf, Junge, ich weiß doch, wie du mich vermisst und Mama auch! Aber ihr seid doch tapfer! Ich freue mich, dass ihr euch nicht aufgebt. Erinnerst du dich, wie oft ich zu dir gesagt habe: Man darf nicht aufgeben!

Ich bin so stolz auf dich, du hast nie aufgegeben!

Heute bin ich im Frieden, ohne euch wäre ich das nicht.

Hier sind viele, die keinen Frieden haben können, weil sie nicht losgelassen werden!

Aber ihr liebt mich so, ich fühle das doch! Ich weiß, dass ihr mir Frieden wünscht, dafür bin ich dankbar.

Wir hatten so viele schöne Zeiten!

Wir haben die Welt mit den gleichen Augen gesehen.

Du musst nicht denken, dass es jetzt anders ist. Ich sehe die Welt immer noch mit deinen Augen, aber jetzt lebst du für mich weiter und du gibst das, was ich dir gegeben habe, auch wieder weiter, ich bin reich, viel reicher als viele andere.

Du fragst, warum ich dir das nicht direkt sagen kann? Es ist einfach noch nicht so weit, du musst dazu noch mehr lernen.

Aber glaub mir, du wirst mich verstehen. Heute bin ich einfach da, um dir Mut zu machen.

Ich weiß, du hättest mir noch so gerne gedankt, aber das brauchst du doch gar nicht. Ich habe dir meine Liebe geben und das war leicht für mich, dich zu lieben.

Wenn man an das Gute im Menschen glaubt, dann begegnet einem auch das Gute. Ich bin ja nicht blind, wer will mir erzählen, wie das Leben ist…

Aber trotzdem glaube ich an das Gute im Menschen.

Das ist mein Erbe an dich! Das ist das Kostbarste, was ich dir zu geben habe!

Jeder muss versuchen, mit der Last fertig zu werden, die er zu tragen hat.

Du weißt, dass ich nichts anderes von euch erwartet hätte, aber wenn ich jetzt sehe, wie gut ihr das macht, dann bin ich sehr stolz auf euch.

Uta, hast du jetzt verstanden, wofür das Mittel steht?

U: Ich weiß, dass Menschen es brauchen, die sehr korrekt in der Ausführung ihrer Verantwortung sind… dabei auch kein Detail vergessen und die sich sehr bemühen in allem, was sie tun, das Richtige zu machen.

Die es nervös macht, wenn in irgendeiner Form Chaos herrscht…

G: Ja, dann hast du ja doch verstanden! Den Rest versteht der Christoph.

U: Gregor, ich würde jetzt gerne beschreiben, wie ich dich hier bei mir empfinde…

G: Dann mach das doch!

Ich habe zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Wahrnehmungen: Zum einen bin ich sehr erstaunt über seine ausgesprochen starke und gute Energie, gütig wirkt er auch mich, tief in sich ruhend, sehr, sehr liebevoll… so eine Energie kommt schon sehr nahe an die von Guides.

Zum anderen ist da aber trotz aller Liebe eine gewisse Sprödigkeit, er hält sich ausgesprochen korrekt, ist sehr bemüht, extrem konzentriert vorzugehen, und hat ganz offensichtlich die Gabe, seine Emotionalität um der Sache willen in den Hintergrund zu stellen.

Ich muss sagen, er beeindruckt mich sehr.

Es mag sein, dass Menschen ihn auf den ersten Blick für zu hart oder zu unbeeinflussbar gehalten haben, aber das wird ihm überhaupt nicht gerecht.

Was er tatsächlich versucht hat, das ist fair zu sein und aufrecht zu bleiben.

Seine Schilderung seines Todes und der Rückkehr durch die Reanimation beeindrucken mich sehr, denn er hat da aus einer reinen und edlen Liebe heraus gehandelt.

Sehr interessant ist für mich, dass er sehr schnell nach dem Reading sein Aussehen (das des älteren Mannes) aufgibt und mir als reines Lichtwesen erscheint…

Lächelnd gibt er zu, dass er durchaus ein wenig eitel sein konnte und er sich so viel besser fühlen würde, ihm ist zurzeit einfach wenig daran gelegen, sich in einem alternden Körper zu zeigen, das habe er ja nun schließlich hinter sich.

Was ich spüre, während er das sagt, ist auch ein ausgeprägtes Gefühl für innere Schönheit… sich in diesem inneren Sinn nicht beflecken zu lassen, war ihm – so glaube ich – sehr, sehr wichtig.

Aber ich sehe durchaus eine Neigung zu Stolz, ein Stolz, der es ihm verbietet, Hilfe anderer anzunehmen, sich „betreuen“ zu lassen war ihm, glaube ich, ein Gräuel.

Während er hier ist, spüre ich, dass er sich bei aller Freundlichkeit doch nie näherkommen lässt, als ER es will.

Er bestimmt, wie viel er von sich mir gegenüber preisgeben möchte…

Er bestimmt, welches Bild ich von ihm haben darf… er hat, wie ich finde, sehr klare Grenzen und er erwartet einfach, dass man die respektiert.

Gerade diese Erwartung lässt gar nicht zu, anders auf ihn zu reagieren.

Das nenne ich eine angeborene Würde.

Dass er die unbedingt bewahren wollte bis ins Sterben hinein, finde ich nur allzu verständlich.

Ich empfinde ihn als sehr durchsetzungsstark, aber immer unter dem Aspekt der Fairness. Ein Mann, der wusste, welche Ziele er hatte und der dann auch mit ganzer Hingabe das tat, was er für wichtig hielt. (An dieser Stelle sagt er mir, dass seine Frau ihn immer unterstützt hat und dass er niemals der geworden wäre, der er ist, ohne sie.)

Ich denke, dass er sehr einfühlsam in andere Menschen gewesen ist, fast schon rein intuitiv wusste, was in denen vorgeht und dass er damit einen sehr guten Einfluss auf alle Menschen hatte, die sich vertrauensvoll an ihn wendeten.

Ich habe auch ein sehr, sehr starkes Bedürfnis, dass er wirklich gerne anderen durch Rat und Tat half, er fühlt sich auch ganz so an, als ob er das immer war: Ein guter Ratgeber.

Einfach, weil er anderen nicht seine Meinung einfach überstülpte, sondern weil er durch Fragen sie dazu führte, selbst gute Lösungen für ihre Probleme zu finden.

Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass ein guter Lehrer Fragen stellt, damit seine Schüler die richtigen Antworten finden… so, in dieser Art, erlebe ich ihn hier auch.

Ich habe den Eindruck, dass er sehr vielseitig interessiert war, dass er am liebsten alles bis in die tiefste Tiefe ergründet hätte und es ihn immer geärgert hat, wenn er etwas nicht in Erfahrung bringen konnte.

Ein sehr wacher Verstand, der im Grunde genommen nie aufgehört hat, „jung“ zu sein. Sehr klar im Denken, sehr analytisch. Ich glaube, es hat ihm einfach Spaß gemacht, klug zu sein und immer klüger zu werden. Nicht stillstehen, nicht ausruhen auf einmal gemachten Erkenntnissen, tiefer und tiefer geht das Wissen.

Ist er eigentlich gerne gereist? Ich bekomme während des Readings immer wieder Ansichtskarten gezeigt, einmal Berge, dann wieder das Meer, weiter Himmel, Städte mit hohen Häusern … das geht in einem so schnellen Wechsel, das ich kaum hinterher komme.

Gab es einmal einen Koffer, auf dem viele Aufkleber waren, er zeigt mir den immer wieder…

Und ich spüre dabei zwei unterschiedliche Gefühle: Gespannte Neugier, aber auch ein wenig Traurigkeit, weil er jemanden oder etwas verlassen muss.

War er aufgeregt, wenn er reisen sollte? Ich spüre Aufgeregtheit, kann nicht deuten, ob es da um Erwartungsfreude oder Erwartungsspannung geht, es ist beides da…

Ich glaube, er mochte Unwägbarkeiten nicht besonders, wollte immer gerne einschätzen können, was da auf ihn zukommt… das kalkulierte Risiko also, soweit das möglich war.

Meiner Ansicht nach hatte er einen ungewöhnlich gut ausgeprägten Weitblick, er wusste, wohin eine Sache laufen würde und so war er sicher ein Mann, dessen Rat sehr angesehen war.

Diese Weitsichtigkeit hat er meiner Ansicht nach auch in Bezug auf andere Menschen gehabt… er konnte so gesehen voraussagen, wie sie sich entwickeln würden.

Er sagt, dass er die Menschen an sich liebt, das heißt aber keinesfalls, dass er auch nur im Ansatz naiv war. Ich denke, er hatte ein sehr gutes Unterscheidungsvermögen.

In gewisser Weise ist er trotz all dieser sehr starken Gaben innerlich unruhig, das scheint ihm manchmal irgendwie dazwischen zu kommen, dann wirkt er auf mich unkonzentriert, übereilt und mit ganz einfach viel zu vielen Eindrücken belastet. Wie ein Rennpferd, das nervös in der Startbox wartet…

Ich denke, dass er versucht hat, an dieser inneren Anspannung zu arbeiten, aber ich spüre sie noch…

Ich glaube, dass er zwar ganz leicht Kontakte zu anderen Menschen herstellen konnte, dass er aber sein Vertrauen nicht so leicht geschenkt hat.

Kann es sein, dass er in Krisenzeiten besonders „zugeknöpft“ erschienen ist, gerade, wenn es eigentlich besonders emotional war, besonders rational erschien?

Jedes Mal, wenn ich mehr an seine Gefühle herankommen möchte, dann stoße ich gegen eine Blockade… in dem Moment bin ich die „Fremde“, die er nicht so weit in sich schauen lässt. Nicht, dass er mir misstrauen würde, aber ich glaube, da war durchaus eine gewisse Scheu, sich fallen zu lassen.

Anständigkeit war ihm sehr wichtig, und Pflichterfüllung. Das sind Tugenden, die fast in Vergessenheit geraten sind, aber für ihn hatten sie einen ganz tiefen Wert, viel mehr Wert als oberflächliche Freuden.

Ganz sicher konnte er das Leben und das, was schön im Leben ist, genießen.

Ganz sicher hat er ein tiefes und herzliches Verständnis für die Schöpfung, aber niemals hätte ihm Oberflächlichkeit nachgesagt werden können.

Was immer er getan hat oder gefühlt hat, er wollte dabei anständig bleiben.

Leider ist er sehr verschlossen, was folgende Themen des Lebens angeht: Beruf, Kindheit, Ehe…

Ich vermute, es liegt einfach an dem Umstand, das er erst sehr kurz im Jenseits ist und einige Themen von ihm einfach noch nicht aufgearbeitet sind und ich deshalb keine Informationen bekommen darf, weil sein Geistführer das noch nicht für richtig hält.

Zum Abschluss zeigt er mir noch einige Bilder, ob sie von Bedeutung sind, kann ich nicht sagen: Ich sehe Männerbeine in einer Kniebundhose und schweren Wanderschuhen, die gehen auf einem Waldweg, ich sehe einen Männerchor in einer Kirche singen, ich sehe ein Gesteck aus Gerbera, ich sehe eine schwarze Marmorplatte mit goldener Inschrift, aber da stehen zwei Namen drauf.

Ich sehe einen ganz kleinen Christbaum, der ist eigentlich nur ganz spärlich geschmückt, das Lametta sieht seltsam zerknittert aus, und obwohl der Baum so „erbärmlich“ aussieht, ist eine so friedvolle Stimmung…

Ich habe das Gefühl, das er auf das erste gemeinsame Weihnachten mit seiner Frau anspielt, ich bin mir aber nicht so sicher.

Ich sehe einen Drachen in die Luft steigen, nicht solche, wie es sie heute gibt, sondern einen, der selbst gemacht ist aus Buntpapier.

U: Danke, Gregor, ich hoffe, dass dein Sohn dich erkannt hat.

G: Ich habe nicht erwartet, dass es so kompliziert ist.

U: Kannst du trotzdem noch die Fragen von Christoph beantworten?

G: Ja…

U: Christoph fragt, wie es dir geht…

G: Christoph, mir geht’s gut, wirklich, mach dir keine Sorgen. Ich hab es ja gleich gesagt, es ist nicht schwer, man denkt das nur, aber ich bin noch schnell müde… ich hätte gedacht, das sei vorbei, jetzt bin ich selbst erstaunt.

U: Hast du gemerkt, wenn deine Frau und Christoph bei dir auf der Intensivstation waren?

G: Meinst du, das wäre mir entgangen? Deswegen war ich doch noch da. Als ich gemerkt habe, dass ihr anfangt, einverstanden zu sein, wenn ich gehe, habe ich das Sterben zugelassen.

Ich war froh, dass es so gelaufen ist. Ich war wirklich müde und ich wollte mich ausruhen. Es war schön, wenn ihr da wart.

Ich möchte mich bedanken für eure Zärtlichkeit, ich hab alles gespürt, auch das Streicheln… aber mach dir keine Sorgen, ich hab keine Schmerzen gehabt.

Meine Ohren konnten nicht mehr hören und meine Augen nicht mehr sehen und mein Körper nicht mehr spüren.

Aber ich habe euch gespürt, also die Seele.

Aber wenn ihr weg wart, bin ich auch gegangen, die Freiheit hab ich mir erlaubt. Frei wie ein Vogel…

U: Bist du mit dem Ablauf der Beerdigung und der Grabstätte einverstanden?

Hier lächelt er.

G: Für euch ist das wichtig, aber ich, ich sehe das doch anders: Ich bin doch gar nicht tot!

Was mich gefreut hat, das war die Ehre, die ihr mir gebt, dafür bin ich dankbar.

Ich liege da, wo ich hingehöre, ihr habt richtig entschieden.

U: Bist du noch öfters bei ihnen und machst dich bemerkbar?

G: Christoph, vertrau deinen Gefühlen, ich bin ganz nah… vertrau mir doch!

Warum fragst du denn? (Ich bekomme ein Bild, da steht er direkt hinter dir, und eigentlich hättest du so etwas wie einen Atemzug spüren müssen am Hals.)

U: Was machst du im Jenseits, was ist deine Aufgabe?

G: Wenn ich nicht bei euch bin, dann studiere ich die neuen Verhältnisse hier oder ich ruh mich aus, ich bin noch am Anfang. Jetzt will ich erst mal lernen, es mir gemütlich zu machen (er lacht dabei).

Ganz kurz sehe ich eine ältere Dame, sie sitzt in einem Sessel und liest eine Zeitung, aber nur die Traueranzeigen, dazu bekomme ich ein ganz leises: Das musst du nicht tun, das tut nicht gut.

U: Hast du deine Eltern sowie Hans und Lena getroffen?

G: Sie zeigen mir viel hier, ich bin froh, Hans zeigt mir soviel, das habe ich gar nicht erwartet…

U: Kannst du lesen, was Christoph schreibt?

G: Nein… sollte ich?

U: Okay, ich lese es dir vor: Lieber Papa, du fehlst uns so sehr, Mama und ich möchten uns nochmals bei dir für alles bedanken. Bitte beschütze uns, falls du das kannst.

G: Ich kann das nicht, aber ihr habt doch eure Engel, aber ich bin da, und ich rede mit ihnen…

Christoph, mach dir nicht so viele Sorgen, du machst dir viel zu viele Sorgen. Du wirst sehen, man darf einfach nicht aufgeben.

U: Warum hast du ihnen nicht gesagt, dass du so krank warst?

G: Ich wollte einfach nicht, ich wollte so gehen, wie ich gegangen bin.

Ich hatte Angst, wenn ich was sage, dann beginnt ein Drama, das ich nicht durchstehen kann…

Bitte verzeih mir das, ich weiß, du hättest alles versucht, um es hinauszuzögern. Aber ich wollte das nicht, ich hatte so ein Gefühl, als ob das richtig ist so …

U: Sie hätten dann ganz anders Abschied von dir genommen…

G: Ja eben, das wollte dich ja gerade nicht! Ich hab doch gewusst, wie sehr wir uns lieb haben.

Aber dass ich euch die Möglichkeit genommen habe, Abschied zu nehmen, das hat mir dann doch Leid getan, das habe ich nicht bedacht.

U: Christoph schreibt: So, mein alter Schwede, mache es gut, ich werde dich nie im Leben vergessen.

Dein Christoph!

G: Ach, Christoph, ich bin doch nicht weg! Ich bin doch da und du kannst mich oft genug verstehen, mach doch nicht so ein Zirkus!

Ich bin da und ich antworte dir auch, wenn du mich was fragst. Vertrau doch mal den Gedanken!

Ich sag es, wie es ist: Ich liebe dich, Christoph, und ich bin so dankbar, dass du mein Sohn bist.

Dein Papa!

Grüß mir die Mama, sag ihr, ich liebe sie und ich halte sie, nur keine Angst. (Kleine Frau? Es fällt der Begriff kleine Frau oder junge Dame. Ich glaube, sie hört das nicht gern und es ist wohl eher ein Witz von ihm … so eine Art necken.)

U: Danke, lieber Gregor, ich hoffe, dass dieses Reading dir und deiner Familie hilft und ich möchte dir jetzt Lebewohl sagen.

G: Ja, mach’s gut!