Trauer - Bewältigung

0618: Die Religion und die Bedeutung für den einzelnen Menschen.

Thema Religion Teil 1

Die Religion und die Bedeutung für den einzelnen Menschen.

Elia

Alle Menschen, jeder Mensch hat in sich das Bedürfnis nach einer religiösen Einbindung. Damit meine ich nicht eine konfessionelle Einbindung, das wird erst später kommen.

Aber grundsätzlich ist jeder Mensch mit dem Bedürfnis nach Religion geboren worden. Diese wird in den meisten Traditionen der Völker geachtet.

Heute allerdings leben wir in einer Gesellschaft, in der dieses Bedürfnis oft nicht mehr gesehen wird. Dennoch strebt jeder Mensch, egal, in welcher Erziehung er ist, Religion für sich an. Somit haben wir es heute in unserer Gesellschaft in diesem Teil der Welt sehr häufig mit Ersatzreligionen zu tun.

Diese Ersatzreligionen haben die gleiche Funktion wie wirkliche Religionen! Es spielt keine Rolle, welchen Namen ein Gott hat, den ein Mensch für sich annimmt. Dieser Gott mag Erfolg sein, mag Reichtum sein, mag Schönheit sein, mag Berühmtheit sein.

Es ist in jedem Falle genauso ein Gott wie alle Götter, wie Jahwe, wie Allah, wie Buddha, wie Shiva. Ihr werdet sehen, die Funktion ist stets die Gleiche: Es ist die Anbindung an etwas Höheres, auf das ich mich verlassen kann, zu dem ich streben kann.

Dieses sich verlassen können auf etwas Höheres, dieses, dass etwas außerhalb von mir meinem Leben einen Sinn gibt, ist ein Bestreben, das in jedem Menschen aufflammt, sobald er sich vergegenwärtigt, dass er einzeln ist und nicht ein Teil seiner Eltern, seines Zuhauses.

Es ist ein Entwicklungsschritt, den die meisten Menschen im Alter von 6 – 7 Jahren zum ersten Mal tun. Dann, das kennen viele Eltern von euch, kommen zum ersten Mal Fragen darüber: Was das Leben ist, woher sie kommen, wohin sie gehen, wenn das Leben vorbei ist.

Kinder bewegt es zutiefst, wenn sie erfahren, dass das Leben endlich ist und nicht ewig. Und es bewegt sie zutiefst die Frage, wo sie waren, bevor sie bei Mutter und Vater waren.

Diese Bedürfnisse werden leider heute sehr oft übersehen und übergangen von Eltern und Kinder werden mit dem Bedürfnis sehr allein gelassen.

Ich möchte meine Leser dazu auffordern, falls sie selber keine Religion haben, sich doch bitte Gedanken darüber zu machen, welche Antworten sie Kindern in diesem Alter geben.

So wie Kinder aufwachsen, spiegeln sie die Entwicklung der Menschheit selber wieder.

Man könnte eine Analogie daran sehen und man könnte, wenn man denn ein guter Beobachter wäre, verstehen, dass die Entwicklung der Menschheit in den gleichen Stufen abläuft wie die Entwicklung des einzelnen Menschen schlechthin.

Am Anfang der Menschheit stand das Bewusstsein, dass alles eins ist, dass es weder ich noch du gab, sonder nur WIR. Diese entspricht der Entwicklung der ersten, wenigen Monate des Lebens.

Alsdann begreift die Menschheit an sich, dass sie etwas Besonderes ist, dass sie eine Art ist. Sie ist weder Baum, sie ist weder Landschaft, sie ist nicht das Meer, nicht die Wolken, nicht das Wetter, sie ist eine Art.

Und sie ist als ihre Art klar zu definieren und zu unterscheiden von anderen Arten. Dieser entspricht der Entwicklung des Kindes vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr. Dort erfährt es, dass es eigen ist, anders ist als andere Menschen. Hier findet eine Abtrennung statt.

Und man könnte in der Tat die Zeit, in der die Menschheit diesen Entwicklungsschritt machte, vergleichen mit der christlichen und jüdischen Version von der Austreibung aus dem Paradies.

In der Tat fiel die Menschheit zu diesem Zeitpunkt außerhalb und wurde in dem Sinne schuldig, das heißt, sie wurde deutlich daran geführt, dass sie Verantwortung trägt.

Dass sie Teil ist, aber auch anders ist als die Schöpfung. Das war ein sehr großer und sehr wichtiger Entwicklungsschritt für die Menschheit.

Und ihr seht darin, dass die Menschheit an sich einem Evolutionsprozess anheimgefallen ist, ein Evolutionsprozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Die Menschheit hat das Stadium des Erwachsenseins noch nicht geschafft.

Nun, zu dem Zeitpunkt, an dem ein Mensch religiös wird, ist auch der Zeitpunkt da, in dem er für sich erfährt, einzeln zu sein. Was besagt das? Das Bedürfnis, er selbst zu sein, eigen zu sein, ein ICH zu sein, wird gleichzeitig verbunden mit dem wachsenden Bedürfnis, einen Sinn zu haben und Teil eines Größeren zu sein und etwas außer sich zu haben, was groß und mächtig ist.

Das ist ein erstaunliches Phänomen und worauf ist es zurückzuführen? Nun, einzig auf den Umstand, dass es nicht die Natur des Menschen ist, einzeln, vereinzelt, einsam zu sein. Der Mensch an sich ist willens und fähig, für sich allein einzustehen.

Aber es ist nicht sein tiefstes Wesen, sein tiefstes Wesen ist die Verbundenheit und nach der Verbundenheit sucht er. Er braucht Antworten auf die Frage: Woher komme ich und wohin gehe ich.

Wenn er erkannt hat, ich bin, will er wissen, von woher und will er wissen, wohin. Diese Funktion, die die Religionen übernommen haben, hat sehr mit diesem Grundbedürfnis zu tun, diese Frage beantwortet zu bekommen.

Jede Religion, egal, wie sie strukturiert ist, egal, in welcher sozialen Gebundenheit Religion entstanden ist, will eine Antwort geben auf diese zwei Grundfragen des Menschen: Woher komme ich und wohin gehe ich.

Nun mögt ihr sagen, dass die Antworten auf diese beiden Fragen so vielfältig sind, dass man wohl kaum davon sprechen kann, dass je irgendeine Religion recht gehabt hätte. Nun, oberflächlich betrachtet, ist dies in der Tat so.
Schwer lässt sich eine Naturreligion, in die Berge, Bäume, Blüten angebetet werden, mit einer so hochstehenden Religion wie zum Beispiel der jüdischen, buddhistischen, moslemischen oder christlichen vergleichen.

Dennoch haben sie eine Menge gemeinsam. Es ist lediglich die Blickrichtung, die Religionen unterscheidet.

Es ist nicht so, dass jede Religion unrecht hätte und damit jede Religion an sich unwahr wäre, es vielmehr so, dass jede Religion recht hat.

Ich bitte, dies zu unterstreichen.

Jede Religion hat recht! Selbst die abstruseste Religion, die euch bekannt ist, sagen wir aus dem tiefsten Afrika oder sagen wir von Menschen, die aus fast steinzeitlichen Bedingungen miteinander leben, die an Geister glauben, die daran glauben, dass Bäume belebt sind, Steine belebt sind, Berge belebt sind.

Selbst diese Religionen haben recht. Und ich bitte euch, dass zu bedenken: Verachtet niemals irgendeine Religion.

Ich möchte die Leser auffordern, dass sie sich einmal mit allen Religionen detailliert zu beschäftigen. Und sie werden dabei erleben, dass sie der Wahrheit über ihren Ursprung und über den Sinn ihres Lebens sehr viel näher kommen können, wenn sie dieses in Betracht ziehen: Jede Religion hat recht.

Das heißt: Wenn zum Beispiel in der chinesischen Tradition und in der japanischen Tradition die Ahnen verehrt werden und dort für die verstorbenen Ahnen gebetet wird und man davon ausgeht, dass die Verstorbenen Ahnen einen schützen, so ist das richtig.

Lediglich die Worte sind es, die verwirren.

Versucht, wenn ihr Religionen untersucht, wozu ich euch auffordere, hinter den tieferen Sinn der Worte zu kommen und ihr werdet sehr viel mehr über Gott erfahren.

Des Weiteren untersucht die großen Weltreligionen. Und ihr werdet bei einiger Intelligenz sehr schnell sehen, dass es die gleichen Prinzipien sind, die diese Religionen zu vermitteln versuchen.

Dabei möchte ich euch bitten, jede Art von religiöser Machtstruktur außer Acht zu lassen, die es leider in jeder Religion dieser Größenordnung inzwischen gibt.

Seht nur auf die Dinge, die im Grundsatz vermittelt werden und ihr werdet sehr schnell herausfinden, dass sich im Grunde vom Wert her um die gleichen Dinge handelt.

Geht nicht danach zu schauen, was gut und richtig ist. Dieses mag sehr unterschiedlich bewertet werden. Sondern geht bitte auch hier den beiden Sinnfragen nach: Woher komme ich und wohin gehe ich?

Welche Antworten bekommen wir nun in den unterschiedlichen Religionen? Ich komme aus Gott, ich gehe zu Gott.

Das ist im Fazit in jeder Religion das, was vermittelt wird. Allerdings unterscheiden sich die Religionen in der Definition Gottes und damit haben sie recht. Das mag euch erstaunen.

Ja, gibt es denn keine einheitliche Antwort darauf, wer Gott ist? Nein, wie sollte es? Gott ist wandelbar, Gott entwickelt sich, Gott ist nicht festzulegen.

Dies ist eine Aussage, die in keiner Religion von jenen, die Macht ausüben, gern gesehen wird.

Dennoch: Gott ist nicht festzulegen.

Ich möchte, dass ihr euch diesen einstweilen kurzen Text sehr zu Herzen gehen lasst.

Und ich möchte, dass ihr euch klar darüber werdet, dass es menschliches Dasein ohne eine Strebung zur Religion nicht gibt.

Es gibt allenfalls erbärmliche Ersatzfunktionen, aber es gibt keine Nicht-Religiosität. Sie ist Wesensmerkmal des Menschen.

Ich danke für dieses etwas kurze Diktat heute.

Ja, gern geschehen, darf ich noch eine Frage dazu anschließen?

Gerne.

Kann man auch die Mythen der Germanen und die Götter der alten Griechen dazu zählen?

Absolut, ihr könnt das immer dazu zählen. Überprüft es einmal. Bitte seht darin einen Evolutionsprozess, der stattfindet.

Auch die Religionen der Menschheit sind einer Evolution unterworfen, dennoch hat jede Religion recht.

Überprüft das! Ich wünsche euch dabei viel Vergnügen.

Das werden wir haben, ganz bestimmt. Gut, danke, bis Freitag.

Ich danke dir.