Liebe

0891: Gott ist Liebe, er hat euch aus Liebe in die Welt gesetzt.

Gott ist Liebe, er hat euch aus Liebe in die Welt gesetzt.

Lieben zu können, ist sein Erbe.
Das ist, was es zu lernen gilt für dich:
Fang an, dich zu lieben, fang an, dir zu verzeihen.

Du kannst nicht genug Liebe für andere haben,
wenn du weiterhin keine für dich hast.
Nimm wenigstens seine an, nimm es endlich an: Du BIST kein IRRTUM!

Ständig hast du Angst vor Strafe, das ist so schwer zu tragen.

Diese Angst kommt, die kannst du nicht wegzaubern,
aber du kannst sagen:

Das ist blöd, dass ich so denke, es ist doch gar nicht wahr,
dass ich gestraft werden muss.

Niemand, Vera, NIEMAND wird als Pechvogel geboren. Wirklich nicht!

Und NIEMAND wird als Unglücksrabe geboren,
der allen anderen nur Pech bringt.

Das sind alles ganz dumme Gedanken.
Wenn die kommen, lass sie weiterziehen, geh ihnen nicht nach.

Sie sind Gift. Die sind sogar supergiftig!

Sie kommen hoch und sie hören auch wieder auf.

Sie sind wie Wolken, die über dem Himmel ziehen, aber eins sind die nie: WAHR!

Schutzengelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Vera zu verbinden. Vera bittet um diesen Kontakt.

Ich gehe auf einer Straße entlang, deren linke Seite von einem steilen Berghang begrenzt ist, rechts geht der Hang weiter, dann folgen einige Häuser, die am Ufer eines Flusses liegen.

Es ist ein kalter, regnerischer Tag. Der Rauch aus den Schornsteinen der alten Häuser legt sich tief über die Stadt.

Ach, das ist wirklich eine ungemütliche Stimmung. Andere, die mit mir auf dieser Straße unterwegs sind, scheinen genauso zu empfinden. Sie ziehen ihre Umhänge dicht um sich und gehen gebeugt, um nicht zu sehr dem Regen ausgesetzt zu sein.

Ihren Kleidern entsprechend schätze ich, dass wir uns irgendwann im 18. Jahrhundert befinden.

Ich schaue mich frierend um, wo mag hier der Guide sein?

Hinter mir versperrt mir eine kleine Familie den Blick: eine etwas ältere Frau mit zwei jungen Mädchen.

Alle Drei gekleidet in braune und blaue Wollumhänge: Weiße Hauben, die sie tief ins Gesicht gezogen haben, halten den Regen nicht ab.

Die Ältere scheint die Mutter beider Mädchen zu sein. Das Jüngere von beiden – vielleicht gerade 15 Jahre alt – schaut lächelnd zu einem jungen Mann, der die Straße in die entgegengesetzte Richtung geht.

Der hat einen Handkarren, mit dem er einige kleine Holzfässchen transportiert. Er scheint sich wenig um das schlechte Wetter zu kümmern, stattdessen wirft er dem Mädchen ein Handküsschen zu, was die mit einem Lachen quittiert.

Diese Reaktion bringt ihr allerdings eine Ohrfeige der Mutter ein!

Die Alte schimpft: Wirst du wohl die Augen gesenkt halten, verderbtes Ding! Männern schöne Augen machen! Das wirst du beichten!

Das Mädchen senkt darauf hin zwar den Kopf, schaut dem jungen Burschen aber dennoch lächeln nach.

Ich bin so fasziniert von dieser Szene, dass ich gar nicht bemerke, dass endlich der Guide von Vera zu mir getreten ist.

Er zieht mich sanft zur Seite, sodass Mutter und Töchter an uns vorbei weitergehen.

Er ist ein kleiner Mann, nicht einmal ganz so groß wie ich. Sein Haar ist weiß und dicht, seine Augen braun, sanft und sehr liebevoll schaut er der kleinen Gruppe nach.

Gekleidet ist er wie ein Handwerker seiner Zeit: Unter einer Lodenjacke eine Kniebundhose, schwere Stiefel, Strickweste, aber eine weiße Schürze, die fast bis zum Boden reicht, darüber ein Leder.

Alois: Grüß dich Gott, Wanderin! (Streckt mir die Hand hin.)
Ich bin der Alois, hast lang auf mich warten müssen?

Uta: Nein. Bist du der Schutzengel von Vera?

Alois: Ja, das bin ich. Sag, kennst das hier wieder?

Uta: Ich glaube schon, das hier könnte Burghausen sein, nur es ist eben viel kleiner als heute.

Alois: Das hast du richtig erkannt. Burghausen 1719.

Jetzt muss ich mich aber an meine Vera wenden. (Lächelt.)

Ja, Vera, da staunst du, da bin ich nun, dein Schutzengel, und hab nicht einmal Flügel und obendrein komm ich als Bayer daher?

Nimm es nicht so schwer. Das ist ja nur ein Leben von mir, ich hätte auch ein anderes auswählen können. Aber das hier, das ist ganz gut, wenn du es dir ansiehst.

Denn es könnt schon sein, dass es dir hilft, das alles, was hier in deiner Seele noch an falschen Erinnerungen liegt, jetzt endlich von dir abgeschlossen wird. Ich wünsch es uns beiden.

Vera, weißt du, es ist schon ganz wahr, dass der Mensch immer wieder geboren wird. Aber was nicht wahr ist, ist, dass er geboren wird, um die Sünden vergangener Leben abzubüßen.

Ganz im Gegenteil! Jedes neue Leben ist die Chance, genau das besser zu machen, was in vergangenen schief gelaufen ist.

Alles andere macht doch auch gar keinen Sinn! Dass wir geboren werden, um für etwas bestraft zu werden, an das wir uns nicht einmal erinnern können!

Wie soll das denn nur einen Sinn machen?!

Also, mein liebes Menschenkind: Was ich dir heute hier zeig, das zeig ich dir nicht, damit du dich als erbärmliche Sünderin fühlst – oder heute sagt man wohl eher „Versagerin“- im Gegenteil!

Ich zeig dir das, damit da in dir drin, da tief in deinem Herzen der Glaube aufhört, dass du das bist! Das geht ja so nicht weiter, dass du so schlecht von dir hältst!

Nur ich weiß schon: Da kann kommen, was will und wer will, und sagen, dass du doch ganz in Ordnung bist, du glaubst es einfach nicht!

Nicht weil du das nicht glauben willst. Das willst du schon, aber du fühlst das nicht so!

Da in dir war – so lang du denken kannst – immer die Angst in dir, nicht RICHTIG zu sein!

Die Angst, dass da irgendwas mit dir ganz verdreht ist, ja sogar manchmal das Gefühl, als ob du Glück gar nicht verdient hättest: immer nur Unglück.

Ja, ja, ich weiß das schon, Vera. Aber ich kann das einfach nicht wegzaubern. Ich würd gern, das kannst du mir schon glauben, das würd ich am liebsten sofort tun!

Aber was eine Seele von sich glaubt oder vom Leben oder von Gott, das kann nicht durch einen anderen beeinflusst werden. Das kann sie nur selbst tun.

Ich versuch jetzt dir einen vernünftigen Grund dafür zu geben. Ich versuch es einfach einmal. Du bist ja nicht dumm, da wirst du verstehen, dass es gut ist, zu wissen, WOHER dir diese Einstellung zu dir selbst kommt.

Und ich, ich hoffe, dass du, wenn du siehst, was der Auslöser dafür war, dass du so schlecht von dir denkst, einsiehst, dass es ja Unsinn ist, einfach Unsinn, daran weiter festzuhalten.

So, jetzt schaun wir mal: Ich hoff, du nimmst es nicht gar so schwer, dass wir zurück müssen in ein Leben in Bayern.

Jetzt ist dir der hohe Norden lieber, warum das so ist, wirst gleich verstehen.

Also, Vera: Das hier ist eine Stadt und Festung in Bayern, 1719.

Die drei Frauen, die Uta dir beschrieben hat, die sind es, um die es geht. Die Mutter, die Theresia, die älteste Tochter, die Anna Theresia und du, die Maria Anna, die jüngere der beiden.

Einen Vater gab’s nicht mehr, den hat früh die Schwindsucht geholt, aber mich gab’s noch, den Großvater.

Wir haben direkt da unten an der Salzach gewohnt. Ein Schindelmacher war ich. Schindeln wurden zu unserer Zeit viel gebraucht, Ziegel waren teuer.

Dein Vater war mein Sohn. Die Theresia, seine Frau, die er nicht aus Liebe genommen hatte, sondern weil er sie geschwängert hatte. Nicht aus Liebe, sondern weil sie beide einen Rausch hatten.

Ach, mei, was war das für eine unglückliche Verbindung! Der Franz konnte die Theres nicht leiden und die Theres den Franz nicht. Und doch mussten sie heiraten, weil: Sonst wäre es ja eine offenkundige Sünde gewesen, in unserer Zeit ging so was gar nicht an!

Jeden Tag haben sich die beiden so schwer wie nur möglich gemacht. Regelrechter Hass wurde das. Und so wie deine Schwester eine Frucht des Rausches war, warst du eine Frucht, die aus diesem Hass kam.

Das wäre vielleicht nicht so schlimm gewesen, wenn die Therese es euch Zweien verschwiegen hätte. Hat sie aber nicht: Bei jeder Gelegenheit hat sie es euch gesagt.

Den Hass auf den Franz, den hat sie auch auf euch gehabt. Aber als gute Mutter wollt sie dennoch gelten.

Kannst dir vorstellen, WIE schwer deine Kindheit war? Ja, das kannst du!

Aber kannst du dir auch vorstellen, liebe Vera, dass du der Mutter geglaubt hast, wenn die sagte, dass ihr Sündenkinder seid und nichts als Sünde bei euch zu erwarten ist?

Das war aber so: Du und deine Schwester Anna wart schon als ganz kleine Kinder davon überzeugt, dass ihr böse Kinder seid und immer böser werden würdet, es sei denn, ihr befolgt strengstens Mutters Regeln.

Nur dass diese Regeln nicht zu erfüllen waren!

Vera, denk dir nur: Jedes Missgeschick, das euch widerfahren ist, war der Mutter Anlass, zu zetern, dass es ja wieder einmal der Beweis war, WIE schlecht ihr seid!

Ob ihr die Milch habt anbrennen lassen oder euch ein Teller zerbrochen ist: ALLES war der Beweis dafür, dass ihr so böse Sünder wäret wie euer Vater auch!

Der Vater, mein Franz, ja mei, der hat sich auch nicht mehr glauben können, dass er gut sein könnte.
Mit der Frau an der Seite? Wie denn!
Da hat er aufgegeben, gut sein zu wollen. Hat jeden Tag gesoffen, mehr und mehr.

Die Arbeit, ja, die hab halt ich immer öfter ganz allein tun müssen. Und schließlich hat er sich eine Krankheit genommen, die ihm das Leben verkürzt hat.

Ich konnt dagegen nicht an. Bei den beiden hat ich keinen Einfluss. Nur euch beiden Kinderchen hab ich versucht, ein wenig Liebe in euer Leben zu bringen, ein wenig Wärme und Ruhe und auch einmal ein Lob.

Gern hast dich zu mir geschlichen in die Werkstatt, wenn die Mutter einmal wieder einen schlechten Tag hatte. Sie hat es nicht geduldet, jedenfalls nicht lang, aber so ein kleines Stündchen bei mir, das hat dich bewahrt, zu traurig zu sein. Wenn die Mutter kam, um dich heraus zu zerren, hab ich immer irgendwas erfunden, warum ich dich gebraucht hätte.

Das war zu wenig Liebe, was ich dir geben konnte. Und das wusste ich auch. Ich wusste: Das Ganze geht nicht gut aus.

Die Therese, die versucht, BÖSE aus ihre Töchtern zu machen, so böse, wie sie selbst inzwischen war: so voller Hass aufs Leben, auf die Liebe.

Wie sie selbst es geworden war, so solltet ihr werden.

Die Anna, die ist tatsächlich in die Fußstapfen der Mutter gegangen. Hart wurde die, schon mit 11 Jahren regte sich in ihr kein Gefühl mehr, das schön gewesen wäre, keine Freude über irgendwas, außer vielleicht Schadensfreude.

Aber du? Ach, deine Seele war ja nie so! Du hast ja eine Seele so voller Liebe. Eine Seele, die so voller Freude ist und die so gern Freude schenken möchte!

Da war das NICHTS mit in den Fußstapfen der Mutter gehen können. Die Therese und die Anna, die haben meinen Sohn gehasst. Du aber nicht! Nie!

Lieb hast ihn gehabt und traurig warst du, als er starb, sehr traurig. Nur GENAU DAS war dann der Anlass, warum die Mutter dich noch schlimmer fand, warum die Schwester dir gegenüber voller Hochmut war.

Und du hast ihnen ja glauben MÜSSEN! Wie soll ein Kind Mutter und älterer Schwester NICHT glauben! Zumal der Pfarrer, zu dem die Zwei dreimal täglich rannten, genauso zu dir sprach.

Du warst erst 8 Jahre alt und schon überzeugt davon, ganz verdorben und ganz schlecht zu sein.

Menschen machen sowas mit Menschen, das ist leider wahr, liebe Vera, leider, leider.

Und alles was wir Engel tun können, um den Gang des Bösen zu verhindern, ist, unseren Schützlingen zu zeigen, dass es Lüge ist, ja sein MUSS, dass ein Mensch von Geburt an bös sein kann.

Wir versuchen es wieder und wieder, in dem wir euch BEWEISEN, dass ihr – auch wenn ihr noch so schlecht von euch haltet – ihr doch auch gerne Gutes tut.

Wir versuchen auch wieder und wieder, euch zu zeigen – dass selbst wenn ihr gar keine Lebensfreude mehr an euch heranlassen mögt – es doch immer mal einen kleinen Freudenblitz im Herzen gibt.

So versuchen wir gegen die Auswirkungen der Menschen anzugehen, die euch „verbösen“ möchten. Manchmal gelingt der Kampf, manchmal nicht.

Wenn er nicht gelingt, dann ist jedes neue Leben, das eine Seele beginnt, eine neue Chance.

Aber schöner wäre, diese Chance, selbst besser von sich zu halten, würde bei Lebzeiten wahrgenommen.

Denn wenn einer schlecht von sich hält, sich für böse hält oder unwert oder schwach im Guten, wie soll er Gutes bewirken? Wie soll er Freude bewirken? Er traut es sich ja gar nicht zu!

Ja, es ist so: Je fester einer glaubt, dass er nichts taugt, umso mehr lebt er so, dass sein Glaube bestätigt wird.

Aber es liegt NICHT an ihm, es liegt an seinem Glauben! Nur: Wie soll er das bemerken? Dass dies ein Unterschied ist und dass er doch nur aufhören muss, es zu glauben?!

In eurer Zeit und in eurem Land, da habt ihr die Chance, das zu bemerken. Es gibt bei euch so viele Menschen, deren Beruf es ist, euch dabei zu helfen. So etwas gab es für Maria nicht.

Alles, was es an Ermutigung für sie gab, war nur ich. Und ich war noch kein Guide, nur ein alter Schindelmacher, der zusehen musste, wie seine lieben Enkelinnen verböst wurden.

Es braucht jetzt gar nicht erklärt zu werden, wie Marias Geschichte weiterging: Schlecht ging es weiter. Sie hat doch nie etwas Anderes geglaubt, als das es schlecht für sie weitergeht. Wie hätte es da gut werden KÖNNEN?

Sie hatte sozusagen eine Brille auf der Nase, die Brillengläser waren so eingerichtet, dass Maria – egal, auf was sie schaute – darin IMMER genau das gefunden hat, was sie sich vorwerfen konnte.

Was zu bestätigen schien, dass sie verdorben und schlecht sei. Und darauf hat sie reagiert, als gäbe es nichts Anderes für sie.

„Ein leichtfertiges Weibsbild bist, von Geburt an!“ so hat die Mutter zu ihr gesagt, wieder und wieder und wieder. Ohne Grund, ohne dass Maria hätte verstehen können, ob die Mutter Wahres sagt oder nicht.

Weißt du, liebe Vera: In meiner Zeit wurde viel von Verfluchungen gehalten, aber die sind gar nicht so weittragend. Wenn einer verflucht wird, dann kann er sich sagen: Ach, der spinnt ja, der das sagt! Und schon hat der Fluch seine Macht verloren über ihn.

Aber wenn über einen Menschen ein Urteil gefällt wird, so lang er noch klein ist und er noch gar nicht unterscheiden kann zwischen wahr und falsch, dann glaubt er das ein Leben lang.

Und weil er es glaubt, darum geschieht es.

Besonders dann, wenn die Seele eines solchen Kindes noch gar nichts davon weiß, dass es so, wie es geboren ist, für Gott gut und richtig ist.

Dass es – selbst wenn es etwas ganz falsch ist und etwas gar nicht hinbekommt – doch ganz richtig in Gottes Augen ist.

Das ist so wichtig, dass eine Seele versteht, dass sie Gott immer lieb ist, dass darüber sogar ein Gleichnis in eurer Bibel steht.

Nur wird das leider nicht so ganz gut ausgelegt, was da gesagt wird.

Vera, es ist mir aber so wichtig, dass du das JETZT verstehst! Du warst in einem anderen Leben die Maria, in diesem bist du die Vera. Und es scheint so, als ob das eine Leben mit dem anderen gar nichts zu tun hätte.

Hat es aber doch! Du, meine liebe Vera, du magst auch gar nicht glauben, dass du Gott – so wie du bist – lieb sein würdest.

Nur nennst du das nicht Gott, du nennst es Schicksal und Pech. Aber das ist egal, wie du es nennst: Es geht um Gott.

Es geht darum, ob Lebensfreude selbstverständlich für dich sein KANN!

In dir sagt da etwas: NEIN, ich möchte zwar, aber ich glaub nicht, dass das für mich geht…

Da ist zwischen dir als Maria und dir als Vera wenig Unterschied.

So ist das, aber muss es denn so bleiben?

Also: Jetzt pass fei guat auf!

Da war einmal ein reicher Herr, der hatte zwei Söhne.

Der erste Sohn war ein ernster, junger Mann, der stets seine Pflicht tat gegenüber dem Vater und dem Geschäft.

Der zweite Sohn aber, der war nicht so, der wollte einfach Spaß haben. Und weil er DACHTE!!! (in Wirklichkeit wusste er es gar nicht), dass sein Vater es nicht duldete, dass er Spaß am Leben hat (in Wahrheit hätte der Vater sich gefreut, wenn auch der ältere Bruder wenigstens hin und wieder Freude und Spaß genommen hätte, aber der war eben lieber griesgrämig).

Weil der Jüngere also dachte, dass es mit der Freude und dem Spaß daheim nichts würde, da ließ er sich vom Vater das Erbe auszahlen und zog damit in die Welt.

Aber na, es gibt immer Neider in der Welt. Als die unserem Burschen begegneten, der so wohlhabend war und so freundlich und frohgemut, da neideten sie ihm seinen Wohlstand. Und weil die schon ziemlich raffiniert waren, führten sie ihn in viele Versuchungen, sein Geld üppig auszugeben. Sie wurden dadurch reicher und er immer ärmer.

Bis schließlich sein ganzes Erbe vollkommen verbraucht war.

Aber wenn du denkst, hier ginge es nur um Geld, ach was!

Der Junge hatte nicht nur sein Geld verbraucht mit allerlei Blödsinn, von dem er durch die falschen Freunde gehört hatte, es würde ich glücklich machen.

Nein, als er mit jedem falschen Glück, in das er investiert hatte, merkte, dass dieses Glück nie anhielt und er stattdessen in mehr und mehr Anstrengung geriet, Glück zu finden, war, als er sein Erbe verbraucht hatte, auch seine Fähigkeit, sich freuen zu können, verbraucht.

Unglücklich war er und bitterarm. Und obendrein schämte er sich ganz entsetzlich! Denn kaum war bei ihm nichts mehr zu holen – weder Geld noch Frohsinn – waren alle Freunde weg. Da erkannte er, wie dumm er gehandelt hatte.

In seiner Not dachte er bei sich: Ich will zu meines Vaters Haus zurückkehren. Vielleicht nimmt er mich als Schweinehirt wieder auf oder als einer, der andere niedrige Arbeit tut. Denn alles ist besser in seinem Haus, als hier in der Welt der Lügen und Irrwege zu verrecken.

Und so geschah es. Zaghaft klopfte er an der Tür des Vaterhauses. Als der öffnete, sagte er: Lieber Vater, ich habe so viel Dummheiten getan und wohl sogar noch manches mehr. Wenn ich das alles aufzähle, wirst du dich sicherlich sehr dafür schämen, dass ich dein Sohn bin!

Ich schäme mich selbst ganz fürchterlich. Mit mir ist wirklich nichts los!

Aber ich bitte dich sehr, lieber Vater, erlaube mir, für dich zu arbeiten. Gib mir ruhig die dreckigste, härteste Arbeit, die du hast, mehr habe ich gar nicht verdient. Aber bitte lass mich unter deiner Obhut sein.

Gib mir ruhig hartes Brot zu essen, aber bitte lass mich nicht wieder da hinaus in die Welt müssen. Ich habe es nicht verdient, dass du das an mir tust, ich kann dich nur um Erbarmen bitten.

In mir ist ja GAR NICHTS, dass es wert wäre. Ich habe ja gar nichts in mir, das gut und nützlich wäre. Ein Anrecht auf Versorgung habe ich also nicht. Ich bitte dich nur darum.

Als der Sohn so gesprochen hatte, wusste der Vater: Mein armer Sohn, der sieht sich wirklich als so schlecht! Oh je! Da irrt er sich ja völlig, er hat doch nur Fehler gemacht! Deshalb ist er doch trotzdem mein lieber Sohn!

Das muss ich ihm jetzt zeigen, sonst bleibt er dabei und glaubt weiterhin, dass er bös und schlecht ist!

Also nahm der Vater seinen Sohn in die Arme, ja, er freute sich wirklich so sehr, dass der wieder bei ihm war.

Er freute sich sogar so sehr, dass er ein Fest ausrichten ließ und alle dazu einlud. Und er kleidete seinen Sohn in gute Kleidung und er übertrug ihm gute Arbeiten und Verantwortungen.

Freude war wieder ins Haus eingekehrt, wahre Freude.

Vera, dieses Gleichnis geht noch weiter, aber den Teil, der sich mit dem ernsthaften Bruder beschäftigt, den lassen wir einmal aus.

Für dich ist aber die Geschichte vom verlorenen Sohn sehr, sehr wichtig.

Vera, deine Seele meint, dass sie Gott NICHTS wert sein KANN.

Liebes, das muss UNBEDINGT anders werden, UNBEDINGT!

Du kannst JETZT versuchen, das zu verstehen oder brauchst noch ein Leben oder noch eines und noch eines.

Aber DU – dein ewiges ICH – das muss einfach irgendwann annehmen, was doch ganz logisch ist: Gott hat dich ins Leben gerufen. Ihm war das so wichtig, dass du lebst, dass ihm die Meinung anderer ganz egal war.

Egal, was deine Mutter dazu sagte, egal, was dein Vater dazu sagte oder sonst irgendwer… ganz egal! ER bestimmt das.

Die Tatsache, dass du lebst, ist der Beweis!!! dafür, dass du Gott gut genug bist!

Aber natürlich weiß er auch, dass du kein Gott bist, dass du noch jede Menge Fehler hast und Fehler machst.

Du bist ja eben sein KIND und nicht sein Kollege!

Aber egal, wie unfertig du bist, du bist trotzdem Teil seines Schöpfungsplan. So wie im Gleichnis der Sohn ein Teil des „Betriebes“ des Vaters war.

Als sein Sohn sich geweigert hat, im Betrieb zu bleiben, da konnte er ihm nicht helfen. Aber sobald er heimkam, hatte er auch wieder alles für ihn da, was er brauchte.

Vera, du bist doch ein TEIL von Gottes Schöpfungsplan und zwar so, wie du geboren bist: Mit allen Anlagen, mit denen, die gut sind und mit denen, die in diesem Leben noch nicht so gut sein können.

Er weiß das, was du hast und kannst, schon gut einzusetzen.

Nur eines darfst du nicht mehr denken wollen: Dass du dazu VERDAMMT BIST, ihm nicht gut genug zu sein!

Wenn du weiterhin meinst, dass du das glauben musst, dann erlebst du seine Hilfe einfach nicht, dann schaust du dort nicht hin, wie die zu finden wäre.

Versuch, es zu ändern, liebe Vera. Ich helf dir wirklich gerne, aber ich kann nicht tun, was du tun musst: deine Glaubensvorstellungen verändern.

Gut, denk darüber nach.

Jetzt sollte ich wohl deine Fragen beantworten. Ich nehme an, meine Antworten verstehst du jetzt besser.

Uta: Vera fragt: Warum trinke ich?

Alois: Damit du einen Grund hast, der nicht aufhört, schlecht über dich zu denken. Und damit niemand in deinem Umfeld auf die Idee kommt, dich für stark zu halten.

Denn das fürchtest du. Wenn die anderen gut über dich denken, so fürchtest du, dann könnten sie leicht zu viel von dir erwarten. Und du meinst, dass du es gar nicht aushalten würdest, sie dann doch! zu enttäuschen.

So säufst du eben, da kann jeder sehen, wie schwach du bist, dann mutet dir auch keiner zu viel zu und dann kannst du auch nicht enttäuschen: weder die anderen noch dich selbst.

Du könntest aufhören, es ist sogar sehr wichtig für alle, die mit dir zu tun haben und hatten, dass du es mit deiner Sucht besser machst als deine Vorfahren.

Aber es glaubt sich so viel leichter für dich, dass du es nicht kannst, weil du dafür zu schwach bist, als daran zu glauben, dass du clever genug bist, es durchzuhalten, trocken zu bleiben.

Uta: Sie fragt, warum sie immer solche Angst hat, schon von Klein auf?

Alois: Weil du kein Vertrauen in DICH! entwickeln konntest, liebe Vera! Weil du jede noch so kleine Kritik, jeden noch so enttäuschten Blick als RICHTIGES Urteil über dein GANZES SELBST angenommen hast.

Wer kein Vertrauen darin hat, dass er es wert ist, zu leben und zu gedeihen und sich zu entfalten, der KANN doch gar kein Vertrauen darin haben, dass ihm geholfen wird, wenn er Hilfe braucht.

Das ist genau der Grund, mein liebes Menschenkind, warum ich mit dir reden muss.

Alles andere Leid, das dich quält, sind nur die Folgen hiervon. Die meisten deiner Gedanken und Gefühle, die in dir sind, sind die Folge hiervon.

Es kann schon sein, Vera, dass du keinen Anspruch auf Glück hast, kann schon sein.

Aber, Vera, es STIMMT doch einfach nicht, dass IRGENDEINER von Gott IRGENDETWAS beanspruchen könnte. Da ist doch einfach kein einziger Mensch auf der Welt, der das könnte.

Es haben doch einfach alle einen „WEBFEHLER!“.

Das heißt doch aber ÜBERHAUPT nicht, dass Gott euch alle Liebe schenken will, dass er es euch wieder und wieder schenkt: Das, was euch gut ist im Leben.

Es ist doch menschliches Unverständnis für solche Liebe, dass da ein Gott gezimmert wird, der immer nur auf Strafe und Rache sinnt! Der euch allein lässt, der euch auf dem Boden der Selbstzweifel sinken lassen will.

Gott ist Liebe, Vera, er hat euch aus Liebe in die Welt gesetzt. Lieben zu können, ist sein Erbe.

Das ist, was es zu lernen gilt für dich, Vera: Fang an, dich zu lieben, fang an, dir zu verzeihen.

Du kannst nicht genug Liebe für andere haben, wenn du weiterhin keine für dich hast. Nimm wenigstens seine an.

Nimm es endlich an: Du BIST kein IRRTUM!

Ständig hast du Angst vor Strafe, liebe Vera, das ist so schwer zu tragen. Diese Angst kommt, die kannst du nicht wegzaubern, aber du kannst sagen: Das ist blöd, dass ich so denke, es ist doch gar nicht wahr, dass ich gestraft werden muss.

Niemand, Vera, NIEMAND wird als Pechvogel geboren. Wirklich nicht!

Und NIEMAND wird als Unglücksrabe geboren, der allen anderen nur Pech bringt.

Das sind alles ganz dumme Gedanken. Wenn die kommen, lass sie weiterziehen, geh ihnen nicht nach.

Sie sind Gift. Die sind sogar supergiftig!

Sie kommen hoch und sie hören auch wieder auf. Sie sind wie Wolken, die über dem Himmel ziehen, aber eins sind die nie: WAHR!

Uta: Vera fragt, was sie für ihren Ehemann tun kann, der Epileptiker ist?

Alois: Versuch, dich nicht vor dieser Krankheit zu fürchten, versuch, IHN nicht als Schicksalsschlag zu sehen, Vera.

Das tust du nämlich und etwas in ihm spürt das. Das macht es nicht besser.

Uta: Warum bekomme ich keine Anerkennung von meinen Kindern?

Alois: Weil sie deine inneren Kämpfe nicht kennen, Vera. Sie kennen nur deine verlorenen Schlachten. Sie beurteilen dich, wie du dich beurteilst.

Uta: Warum hat sie Existenzangst im finanziellen Bereich?

Alois: Vera, wenn es die nicht ist, ist es die um deine Gesundheit, oder ist es die, dass der Himmel auf die Erde stürzt.

Es ist einfach die nächstliegende Angst, nichts weiter, sie erscheint dir „logisch“, die wirklich Ursache ist der Mangel an Vertrauen.

Liebe Vera, Vertrauen kannst du nicht MACHEN, das weiß ich ja. Aber wenn du magst, dann helfe ich dir gerne, damit es wachsen kann. Nur darum müsstest du mich bitten, denn erzwingen kann ich das doch nicht.

Es ist ja deine getönte Brille, mit der du auf dein Leben siehst. Du bist es, die erkennen muss, dass die getönt ist, dass es eine Angstbrille ist!

Uta: Vera fragt, wieso sie so oft eine so tiefe Traurigkeit in sich hat?

Alois: Vera, weil deine Seele sich lieben MÖCHTE, aber nichts davon weiß. Der VERSTAND weiß diese Sehnsucht nicht zu deuten und nennt das Gefühl „Trauer“.

Aber es ist SEHNSUCHT und gleichzeitig der Glaube, dass diese Sehnsucht sich nicht erfüllen lässt.

Du bist traurig über dich, Vera, das MUSST du aber nicht. Du KÖNNTEST genauso gut froh mit dir sein, wenn dein VERSTAND nur endlich verstehen würde, dass er das so deuten DARF!

Uta: Lieber Alois, ich danke dir herzlich für deine klugen Worte und für deine Liebe zu Vera. Hoffen wir, dass sie ihr helfen werden.