Pferd

0977: Das Pferd bleibt in sich wahrhaftig.

Ein Pferd lügt nicht und es erträgt keine Lügen.
Es ist nicht manipulierbar.
Man kann es überzeugen, aber nicht manipulieren.
Es ist wahr.
Und weil es so wahr ist, ist seine Liebe so unendlich kostbar.
All das empfindest nicht nur du.

Elia

Zu Gast ist Gertrud.

Elia: Guten Abend, liebe Gertrud.

Gertrud: Guten Abend, Elia.

E. Ich freue mich.

G. Ich mich auch.

E. Gertrud, es wird Zeit. Es ist Zeit. Deine Zeit. Aber es ist wie vor einem wichtigen Turnier. Man muss die Kräfte sammeln. Nicht wahr?

G. Ja.

E. Und wir wollen sehen, dir deine Kräfte wieder glaubhaft zu machen.

„Ich bin, wie ich bin, stark. Nicht, wie man mich verlangt. Ich bin, wie ich bin, stark genug für mein Leben!“

Da draußen in dieser vom Rhein geprägten Landschaft, da wirst du mit wachem Auge Pflanzen sehen, die du so nirgendwo sonst findest. Es sind die Kopfweiden. Eine solche Kopfweide kann nur dort existieren, wo das Wasser ihr leicht zugänglich ist.

Stellt man eine solche Kopfweide aber nur zwanzig Kilometer landeinwärts, ist sie das erbärmlichste Gewächs, was du dir vorstellen kannst.

„Ich bin dort stark, wo ich hingehöre!“

Das umfasst nicht nur ein Land. Das umfasst auch alles, was zum Umfeld Leben gehört: die Nachbarn, die Familie, aber auch die Aufgaben, Ziele. All das muss dem Wesen entsprechen.

Begeht ein Gärtner den großen Fehler, eine Pflanze unter Bedingungen aufziehen zu wollen, die ihrem Wesen nicht entspricht, dann geht ihre einzige Kraft ins Überleben. Aber sie blüht nicht, sie wächst nicht und sie verliert den Halt.

Darum wird es nun Zeit, dass du deine Kräfte sammelst. Es ist mir eine Freude, dir dabei behilflich zu sein. Stell mir bitte deine erste Frage.

G. Ich wurde ja in Versuchung geführt in Bezug auf die Pferdehaltung am Haus. Pferde waren ja mal mein Leben, meine Liebe, meine Leidenschaft. Aber irgendwie sehe ich nur die Arbeit, die mit ihnen in Verbindung steht.

Und ich habe dann die Pferdehaltung abgelehnt, werde jetzt aber immer wieder damit konfrontiert und ich möchte gerne wissen, warum.

E. Pferde waren deine Liebe, dein Leben, deine Leidenschaft.

Ja? Das hast du gesagt?

G. Ja, das habe ich gesagt. Und jetzt sehe ich nur die Arbeit.

E. Pferde sind deine Liebe, dein Leben, deine Leidenschaft! Und die macht Arbeit. Aber wenn Pferde dein Leben und deine Liebe und deine Leidenschaft sind, dann darfst du die Arbeit als solche nicht scheuen.

Was dich scheuen lässt, das ist der Glaube daran, dass du das allein zu bewältigen hast.

G. Ja.

E. Gertrud?

G. Ja, aber ich übernehme doch die Verantwortung. Wenn ich sage, „ja, ich möchte Pferde“, dann ist es doch meine Verantwortung, für sie zu sorgen.

E. Ja, richtig. Und dazu gehört auch, dass du dir einen verantwortlichen Plan machst, wer, wann, was arbeitet. Darf ich dir einen Hinweis geben?

G. Ja, bitte.
E. Wer sagt dir, dass die gängige Form der Pferdehaltung die Richtige ist?

Hast du einmal Pferde beobachtet in der freien Natur?

G. Ja.

E. Stehen die in Boxen?

G. Nein.

E. Nein.

G. Sie sind im Winter in der offenen Stallhaltung, wenn sie möchten, dürfen sie. Aber ansonsten draußen.

E. Ja. Das ist wichtig, Gertrud. Viele Menschen machen das heute falsch!

Ihr müsst verstehen, dass Pferde selbst im Winter draußen sein möchten, dass sie die Gemeinschaft lieben und auch das Suchen nach Nahrung lieben.

Damit sage ich nicht, füttere sie nicht. Damit sage ich nur: Bitte, Gertrud, kümmere dich noch mehr um alternative Methoden der Pferdehaltung. Das ist Punkt eins.

Punkt zwei: Gertrud, ich war der Herr einer großen Länderei. Glaubst du, ich wäre verantwortlich gewesen, hätte ich mich hingestellt und alleine das Korn mit der Sense geerntet? Nein, sicher nicht.

Ich musste ein Arbeitgeber sein! Zwar zur Bedingung meiner Zeit, und wie es üblich war und damit unvergleichbar mit dir. Aber ich musste, um verantwortlich zu sein, delegieren. Und das wirst du auch müssen.

Pferdehaltung ist Verantwortung, ja. Aber, Gertrud, weißt du, was du dabei übersiehst?

G. Nein, ich weiß nicht, was ich dabei übersehe.

E. Wenn du meinst, das allein bewältigen zu müssen, bekommen jene jungen Menschen, die auf so eine Chance nur warten, keine Gelegenheit, dir zu helfen.

G. Ja.

E. Ja.

G. Der Betrachtungswinkel.

E. Ja. Gertrud, es gibt so viele, denen das gut tun würde, in dieser Weise Mit-Verantwortung zu tragen. Ja?

G. Mhm.

E. Darf ich auf noch etwas aufmerksam machen?

G. Bitte.

E. Pferde sind dein Leben?

G. Ja.

E. Utas Leben ist Lesen. Ihr Lesen ist ein Teil und sogar die Voraussetzung für unsere gemeinsame Arbeit.

Immer, Gertrud, immer ist das Arbeiten mit uns verknüpft mit dem, was ihr am Liebsten tut!

Wir haben kein Interesse an Opfer!

Wir haben aber großes Interesse, eure Begabung einzubinden in unser Streben, den Menschen und auch den Tieren, die daran beteiligt sind, die Möglichkeit zu geben, an ihre Kräfte zu kommen.

Tiere, das weiß Hajo sicherlich gut zu erzählen, sind unsere – ich scheue mich zu sagen – Werkzeuge. Aber sie sind unsere Brüder und Schwestern, die wir oft einsetzen, um euch zu helfen. Sie sind unsere ganz besonderen Boten.

Und es ist falsch, zu meinen, dass deine Medialität nichts mit deiner Liebe zu Pferden zu tun hätte.

Du kennst viele Pferdebesitzer: Es gibt Harte, Grausame und Dumme.
Aber es gibt auch solche, die ihre Pferde über alles lieben, aber nicht verstehen. Sie leiden darunter, sind hilflos, spüren, dass etwas nicht stimmt, aber sie können keine Erklärung finden.

Und Pferde leiden auch daran, dass die Menschen, die sie so lieben, sie nicht verstehen. Das kennst du, nicht wahr?

G. Mhm.

E. „Wir haben doch so Wichtiges zu sagen.“
Ja wer, wenn nicht du, sollte der Dolmetscher sein in solcher Situation?

Freilich gehört Mut dazu und vielleicht ist es auch erst einmal so, dass du das Wort „Medialität“ gar nicht benutzt, sondern „Kommunikationshelfer“.

Ich würde mich sehr freuen und ich hoffe, dass ihr das gute Wetter dieser Tage dazu benutzen könnt, dass du morgen eine deiner größten Kräfte überhaupt erfährst, nämlich kommunizieren mit jenen, die ohne Sprache sind: Tiere.

Verstorbene sind ohne Sprache, Engel sind ohne Sprache, da hast du keine Not. Aber auch Tiere möchten ihre Geschichte erzählen. Und es gibt viele Menschen, die darum bitten: „Bitte, was ist mit meinem Pferd?“

Es ist deine Aufgabe im Leben, das Sprachlose in Sprache zu bringen. Und diese Aufgabe, Gertrud, die liebst du eigentlich sehr.

G. Ja.

E. Es ist deine Liebe im Leben, dass es diese wundervollen Geschöpfe gibt, die euch tausendfach vertrauen, Liebe, Kraft und Obhut geben.

Liebe muss ein Wesen geben! Es ist ganz gleich, wem diese Liebe in besonderer Weise gilt, das können Blumen sein oder die Wissenschaft. Das kann Literatur sein oder Musik oder Pferde.

Diese Liebe, Gertrud, ist Gottes Erbe. Das ist gemeint, wenn wir davon sprechen: Vergiss doch nicht, dass du Gottes Kind bist.
Was ist denn das Erbe Gottes? Dass er seine Schöpfung liebt!

Menschen, die diese Liebe zu etwas nicht in sich tragen, die verlieren ihre Lebenskraft. Denn sie verlieren das Wichtigste in ihrem Leben: den Sinn.

Deine Liebe war immer schon die Pferdeseele. Es ist nicht der wunderbare Körper, sondern was du liebst, sind ihre wundervollen Seelen. Das war immer so.

Erinnerst du dich, wie manche deiner Kolleginnen dir völlig fremd erschienen in ihrer Auffassung gegenüber ihren Pferden? Es war immer die Seele des Tieres, die dich fasziniert hat: das Vertrauen, diese Zuneigung, diese Treue.

G. Ja.

E. Es war nicht der Zuchterfolg oder der perfekte Parcours, das war es nicht. Es war nicht der Glanz des Fells, obwohl du dich an all dem auch freuen konntest.

Nein, es war die bedingungslose Wahrhaftigkeit: Pferde sind die wahrhaftigsten Wesen überhaupt, weißt du das?

G. Nein, ich dachte, Hunde auch.

E. Nein, dafür ist der Hund zu sehr geneigt, sich anzupassen, ja? Und das hat einen guten Grund.

Aber das Pferd bleibt in sich wahrhaftig, ohne dabei die Distanziertheit der Katze anzunehmen. Ein Pferd lügt nicht und es erträgt keine Lügen und es ist nicht manipulierbar. Man kann es überzeugen, aber nicht manipulieren.

Es ist wahr. Und weil es so wahr ist, ist seine Liebe so unendlich kostbar. All das empfindest nicht nur du.

Es gibt viele Menschen, die dieses Gespür dafür haben, darum haben sie Pferde. Und sie geraten in tiefste Verzweiflung, wenn sie nicht verstehen. Erinnerst du dich, wie wichtig für dich war, Fritz zu verstehen?

G. Ja.

E. Was hat dich verstehen lassen?

G. Ich glaub, die Liebe. Wir waren einfach offen zueinander. Wir haben uns angeschaut. Ich habe mich in ihn reingefühlt und er hat es mir erzählt.

E. Ja, genau. Also: Was hast du benutzt?

G. Meine mediale Gabe.

E. Ja. Dir ganz selbstverständlich ist in jenen Tagen ein Wunder geschehen, aber du hattest keinen Namen dafür.

Du könntest es „Kommunikation mit Tieren“ nennen. Es ist Medialität. Ich hoffe, ich habe dich mit dieser sehr ausführlichen Beantwortung ein wenig ins Glück getrieben.

G. Ja.

E. Deine nächste Frage, bitte.

G. Ja. Da wir ja nun bei den Tieren sind. Ich habe festgestellt: Mein Herz öffnet sich bei meiner Hündin nicht so wie bei dem Rüden. Sie ist total lieb, aber es tut mir total leid, dass ich nicht so herzlich sein kann zu ihr.

E. Das ist eine karmische Geschichte mit euch beiden.

G. Mhm.

E. Gertrud, in alter Zeit hatten Hunde und Wölfe eine andere Funktion im Leben der Menschenschicksale.

Unter anderem die Funktion, unwertes Leben, im Sinne von „Es kann nicht überleben“, aus der Sippe zu nehmen.

In aller Unschuld, aber dies ist passiert. Und die Seele deiner Hündin hat dir in einer steinzeitlichen Inkarnation ein Kind geraubt, das nicht hätte überleben können.

Aber die Seele – und das weißt du – dieser Hündin liebt dich. Das hat sie auch damals schon.

Du wärest aufgrund dieses Kindes eine Gefahr geworden für die ganze Sippe. Nur hat deine Seele ihr das nicht verziehen. Magst du das nachholen?

G. Ja.

E. Kannst du jetzt verstehen, warum sie dich oft so traurig anschaut?

G. Ja, und ich hab es nicht verstanden.

E. Ja. Das konntest du auch nicht, denn es ist ein Schmerz, der tief verborgen in dir ist.

Ihr könnt euch nicht selber heilen, das ist auch gut.

Denn wir wollen, dass ihr miteinander als Mediale euch stützt, ein gutes Kollegium seid, ja?

G. Ja.

E. Ich hoffe, dass für euch beide jetzt eine schöne Zeit beginnt, denn versteh die Liebe dieses Tieres.

Sie wollte nur zu dir, sie wollte so gerne dir ihre Liebe zeigen, das ist ihr so wichtig. Sie versteht, dass du scheu bist.

G. Ja. Das ist der richtige Ausdruck.

E. Ja. Sie versteht das, aber sie wartet in all ihrer Geduld darauf, dass du verzeihst, ja?

G. Ja.

E. Es wird vieles in dir heilen, Gertrud.

G. Mhm.

E. Gut?

G. Ja.