Gebot

0979: Das vierte Gebot

Das vierte Gebot
Es geht es um den Schutz von Leben,
das nur noch geringen Nutzen hat.

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren,
auf das es dir wohl ergehe
und du lange lebest auf Erden.

Fragen und Antworten zum 4. Gebot

Elia

 

Hajo: Was hat das vierte Gebot, das Ehren der Eltern, mit einem langen Leben der Kinder zu tun?

Elia: Ich möchte das aufgliedern: Erst einmal steht da nur, du sollst Vater und Mutter ehren.

Das scheint doch sehr hart zu sein.

Wir alle wissen, es gibt schlimme Väter und schlimme Mütter, wie kann dort verlangt werden, dass man sie ehren soll?

Und dann auch noch verknüpft an ein Versprechen: Wenn du es tust, dann wirst du lange leben.

Wenn nicht, dann heißt das im Umkehrschluss, dann wirst du früh sterben?

Wieder ist es erst einmal eine Norm, an die sich dieses Völkchen halten muss.

Und es ist eine Norm, wie es sie bis dahin nicht gegeben hat.

Hier geht es um den Schutz von Leben, das nur noch geringen Nutzen hat.

Ein Neugeborenes hat auch keinen Nutzen für diese Gemeinschaft, aber es wird in diesen Nutzen hineinwachsen und darum geschützt werden.

Es trägt zum Erhalt der Gattung bei und wird darum geschützt werden.

Aber ein alter Mensch, gebrechlich und siech, hat nicht nur keinen Nutzen für die Gemeinschaft, sondern er belastet sie auch.

Und es war in jenen Zeiten durchaus üblich, dass solche alten Menschen getötet wurden.

Es gab Völker, in denen das mit einem heiligen Ritus vollführt wurde.

Und hier steht im Gegenteil dazu zur landläufigen Ansicht über den Wert der alten Menschen:

Ehre sie!

Das ist eine Belastung für dieses Volk, dass da durch die Fremde zieht, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen.

Es sind die Alten und Siechen, die dieses Volk langsam machen, die kosten Ressourcen in jeder Weise, ohne einen Gegenwert zu erbringen und ohne eine Hoffnung, dass später einmal ein Gegenwert gegeben würde.

Und dennoch wird diesem Volk dieses Gebot gegeben.

Und es wird an das Versprechen geknüpft: Dann wirst du auch alt werden können.

Darin steckt sehr viel Weisheit.

Wer Leben, das keinen Ertrag mehr für die Gemeinschaft bringt, vernichtet oder auch nur missachtet, der unterwirft sich selbst, sobald er in ähnliche Situationen kommt und alt wird, seinem eigenen Urteil: Dass sein Leben nun nicht mehr Wert wäre, zu leben.

Und in der Tat wirkt sich das sehr lebensverkürzend aus.

Da braucht es oft gar nicht mehr eines mordenden Sohnes. Sondern da verabschieden sich Menschen ganz von selbst, sobald sie merken, dass sie ihre sozialen Aufgaben nicht mehr erfüllen können.

Und nun möchte ich zu dem Sinn dieses Gebotes in eurer Gesellschaft kommen: Schaut euch einmal die Menschen an, die an der Schwelle zum Alt werden stehen.

Sie haben keinen erklärten Nutzen mehr für die Gesellschaft, in der sie leben.

Das lässt sich verschmerzen, wenn es eine anonyme Gesellschaft ist.

Aber es fällt sehr schwer, das zu verschmerzen, wenn daran Mangel der eigenen Angehörigen verknüpft ist, wenn man zur Last wird.

Viele, sehr viele eurer alternden Menschen erkranken keinesfalls, weil der Körper nicht mehr in der Lage wäre, sich zu regenerieren, sondern weil sie ihr Leben als unwert betrachten.

Leben ist nur solange von ehrbarem Wert, solange es Nutzen für andere bringt.

Das ist eine ganz fatale Ansicht!

Es ist eine Entwürdigende und es befreit jeden, wenn er sich dieser Ansicht nicht beugt. Sondern wenn er das aufgreift und erkennt, dass auch im Alt sein Ehre liegt.

Des Weiteren – und nun komme ich zur ganz persönlichen Definition dieses Kapitels – wir alle, die wir ins Fleisch geboren werden, sind Vater und Mutter!

Wir vereinen beide in uns.

Wir sind etwas sehr Neues, wir sind etwas sehr Individuelles, aber wir sind auch Vater und Mutter.

Das ist gut, wenn wir das große Glück haben, Vater und Mutter zu haben, die offensichtlich aller Ehre wert sind. Damit lässt es sich gut erwachsen werden, gut weise werden und gut alt werden.

Denn dann ehre ich die Anteile meiner Eltern in mir.

Doch so ist das Leben selten. Häufig mögen wir diese Anteile nicht besonders gerne. Sie werden zu unseren Schatten.

Sie werden zu das, was wir an uns wahrnehmen wollen, worüber wir uns erregen, wenn wir sie an anderen Menschen erkennen: Genau wie mein Vater, genau wir meine Mutter…

Und das ist nicht nett gemeint, sondern sehr negativ!

Aber was bedeutet das denn, wenn wir Anteile, Wesenszüge unserer Eltern zwar in uns spüren, aber anders damit umgehen als unsere Eltern?

Das bedeutet, aus einer Schwäche eine Stärke zu machen.

Wenn zum Beispiel eine Mutter sehr aggressiv wird, die Tochter auch die gleiche Neigung hat und die Tendenz hat, ihren Zorn auszuleben, sich aber bemüht, andere Wege auszuprobieren, ihren Zorn auszuleben, als ihre Mutter das tat.

Wenn sie zum Beispiel niemals im Gegensatz zu ihrer Mutter ihre Kinder schlägt oder demütigt, dann bedeutet das nicht, dass sie diesen Zorn nicht hätte…

Das bedeutet, dass sie in der Lage war, zu erkennen, dass es Unrecht ist, so damit umzugehen und so zum Meister ihrer Schwäche wird.

Sie hat das bei ihrer Mutter gelernt, wie schlimm die Folgen ungezügelten Zornes sein können.

Das ist gut, dass sie es bei ihrer Mutter lernen konnte und nicht durch Reue über eigenes Verschulden lernen musste.

Und so gesehen ist auch eine Mutter, die sehr zornig werden konnte, aller Ehre wert.

Bedenkt das bitte.

Bedenkt, was ihr jeder von euch in Einzelnen über seine Schwächen gelernt hat, einfach aus dem Beispiel der Eltern, was sie dadurch gelernt haben.

Viele Seelen nehmen es auf sich, ein negativ bewertetes Leben zu leben, ihre Schwächen deutlich zu präsentieren, um uns zu zeigen, wie es ausgeht, wenn einer aus einer Schwäche keine Stärke macht.

Auch diese Eltern sind aller Ehre wert!

Und wenn ihr das tun könnt, dann müsst ihr euch vor euch selber nicht verheimlichen, dass ihr die gleichen Schwächen habt.

Ihr könnt sie euch anschauen, ihr könnt sehen, wie ihr sie verwandelt habt und das wiederum trägt erheblich dazu bei, dass ihr in Frieden alt werden könnt.

Dann wollen wir jetzt Schluss machen, das reicht für heute.

Ich denke, es ist Zeit jetzt.

Ich möchte auch, dass das, was ich sage, wirkt.

Es hört sich freundlicher an, als es ist, und so mancher wird sich daran reiben.

Hajo: Ja, dann bekommen wir vielleicht dazu Gegenfragen…