Zeitgeist

1086: Deutschland, KZ Buchenwald

Erwin und ich, wir waren im KZ, weil wir homosexuell waren.
Viele, die wie wir liebten, waren dort, Tausende.
Die meisten von uns sind gestorben,
entweder im Lager oder in den Monaten danach.
Ich werde das Ende des Jahres 1945 auch nicht mehr erleben,
Erwin ist eine Woche vor der Befreiung gestorben.

Schutzengelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Melanie zu verbinden. Melanie bittet um diesen Kontakt.

Ich stehe auf einer sehr staubigen Straße, rechts und links Alleebäume, die erstes Maigrün zeigen. Auf der gegenüberliegenden Seite sehe ich einen Zug, einen Güterzug voller Menschen im Schritttempo an mir vorbei fahren. Die meisten dieser Menschen tragen die Kleidung von KZ-Häftlingen. Dennoch winken sie, lachen, einige singen, wie seltsam…

G: Ein ganzer Zug voller Helden…

Ich drehe mich nach der Stimme um. Neben mir steht ein Mann mittleren Alters in weißem Hemd, braunes Haar, blaue Augen, ein schmales Gesicht, sehr schlank. An der Schulter scheint er eine Verletzung zu haben, man kann durch den dünnen Stoff des Hemdes den Verband sehen.
Er wirkt sehr, sehr ruhig, sanft und gütig auf mich.

U: Bist du der Guide von Melanie?

G: Ja, ich bin Karl. Schön, dass du da bist.

U: Wann sind wir hier und wo?

G: Wir sind etwas von Weimar entfernt, im Mai 1945, kommst du mit? Er zeigt auf ein uraltes Motorrad mit Beiwagen. Er lacht, als er merkt, dass mich so was ängstigt, und legt beruhigend die Hand auf meine Schulter…

K: Keine Sorge, in meinem vergangenen Leben kann dir gar nichts passieren…

U: Ich weiß…

K: Aber du machst so was nicht gern? Dann will ich es dir nicht aufzwingen, warte!

Er verändert das Umfeld, jetzt sind wir in einem Garten, die Apfelblüte scheint sich dem Ende zuzuneigen, aber ein alter Flieder strömt seinen schweren Duft aus. Wäsche hängt unter den Bäumen. Im Fachwerkhaus hinter mir scheinen viele Menschen zu sein, ich höre Kinder lachen. Zwei Frauen streiten sich, ein alter Mann kommt aus dem Haus und geht grußlos an uns vorbei, seine Augen sehen aus, als wären sie entzündet.

K: Nein, er hat geweint, viele weinen in diesen Tagen, manche lachen…

U: Ist es dein Zuhause?

K: Nein, es war das Zuhause von Erwin…
Oh, ich muss weiter ausholen. Sonst versteht ihr das nicht.
Das KZ Buchenwald ist dir ein Begriff?

U: Ja, klar…

K: Erwin und ich waren dort gefangen. Der alte Mann da, der war sein Vater. Seit die Gestapo seinen Sohn abgeholt hat, redet er nicht mehr, mit niemandem!

U: Auch nicht mit dir?

K: Mit mir erst recht nicht…

Erwin und ich, wir waren im KZ, weil wir homosexuell waren. Viele, die wie wir liebten, waren dort, Tausende. Die meisten von uns sind gestorben, entweder im Lager oder in den Monaten danach.
Ich werde das Ende des Jahres 1945 auch nicht mehr erleben, Erwin ist eine Woche vor der Befreiung gestorben. Und das ist der tiefste Grund, warum wir jetzt miteinander reden.

U: Erwin ist heute Melanie?

K: Ja. Du musst wissen, dass in Buchenwald kurz vor dem Ende etwas ganz Besonderes geschah: Natürlich war jedem klar, dass der Tag unserer Befreiung früher oder später kommen würde.
Aber als wir im Winter waren, haben wir mit großer Angst reagiert. Denn wir wussten, dass es zu sogenannten Verschiebungen kommen würde: Die Nazis würden versuchen, das Lager zu räumen. Das bedeutete, sie würden verstärkt alle töten, die einen schwachen Eindruck machten und den Rest würden sie zu Fuß Gott weiß wohin treiben.
Weißt du, unter uns waren Kinder, viele Kinder, manche nicht einmal vier Jahre alt. Wir waren alle mehr oder weniger krank, Tuberkulose hatte fast jeder von uns. Es war ganz klar: Einen Fußmarsch durch den Winter, selbst durch den Frühling würde sicher nicht mehr als ein Zehntel von uns überleben.
Also versuchten wir Zeit zu schinden, und das gelang uns auch, wenigstens die, die nicht aussondiert wurden, viele waren wir nicht nach dieser „Auslese“.
Ich war insgesamt fast drei Jahre in Buchenwald. Erwin hatte ich bis zum Ende 1944 nur hin und wieder gesehen. Aber Silvester wurde er in meine Baracke verlegt. Das war nicht unbedingt ein guter Tag für ihn.
Er war ein junger Mann von gerade mal 23 Jahren, er war transsexuell, verstehst du? Das war extrem gefährlich in Nazi Deutschland und das war noch viel gefährlicher an der Front.

Hm, ja, aber er meinte, dass er einen Freund hatte, einen Kameraden, einem, dem er einfach alles anvertrauen kann. Da hat er sich geirrt! Er kam von der Westfront direkt nach Buchenwald.

Anfangs hielten die uns nach Ursache unserer Internierung noch getrennt, gegen Ende war es ihnen egal. Politische Gefangene, Kriegsgefangene, Homosexuelle, alles wurde willkürlich zusammengepfercht.

Anfangs dachten wir, das sei gut, denn als Homos standen wir dem Wachpersonal für jede Qual zur Verfügung, falls du verstehst, was ich meine. Aber wir unterstützen uns gegenseitig, waren wenigstens einander Freunde und Vertraute. Aber als wir verteilt wurden, da hatten wir nicht nur Angst vor dem Wachdienst, da hatten wir auch Grund, uns vor den Mithäftlingen zu fürchten. Nicht jeder – es waren nur wenige – aber die konnten mit uns machen, was sie wollten.

Ich weiß, man denkt, dass Menschen, die ein gemeinsames Leid tragen, zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammenwachsen, zum größten Teil stimmt das auch. Aber es gibt Menschen, die werden unter dieser Qual nicht zu edleren Menschen, ganz im Gegenteil, die geben jede Menschlichkeit auf.

In meiner Baracke waren hauptsächlich Politische und drei Männer aus dem Kaukasus. Vor den Politischen hatte ich keine Angst, im Gegenteil: Ich lernte zwei der wichtigsten Seelen kennen, die mir je in einer Inkarnation begegnet sind.
Aber die drei Kriegsgefangenen machten mir Sorgen. Sie waren nicht so schwach wie die meisten von uns, der Himmel wusste, wieso. Ich wusste um ihren Spott, was mich anging, wenn ich auch kein Wort verstand.

U. Woher wussten die denn, dass du homosexuell warst?

K: Jeder von uns war durch ein Zeichen gekennzeichnet, das auf unsere Kleidung genäht war…
Die zwei Männer, die so wichtig für mich waren, hießen Otto und Heinrich. Otto war ein Kommunist, er hatte einige Jahre in Russland gelebt und er verstand, was die Drei sagten, und sie hatten Respekt vor ihm.
Heinrich war der Klügste der ganzen Baracke, ungeheuer findig. Der konnte im wahrsten Sinn des Wortes aus Nichts etwas machen. Er war auch als Politischer gekennzeichnet, aber er selbst behauptete immer, das sei nichts als ein dummes Missverständnis, er wisse gar nichts von Politik.
Wie auch immer, Heinrich und Otto waren dicke Freunde, schon als ich sie kennenlernte, und sie nahmen mich in ihre Obhut. Das war sehr, sehr ungewöhnlich und meine Dankbarkeit diesen beiden Seelen gegenüber ist ewig.

Otto war ein stiller Mensch, einer, der zwar den Glauben an Gott aufgegeben hatte, aber NIE den Glauben daran, dass der Mensch an sich GUT ist! Ich bin heute sicher, dass genau diese Einstellung den drei anderen Respekt einflößte, sie wollten sich vor ihm einfach nicht schämen müssen.
Heinrich hatte gar keine Religion, auch keine Ideologie, er war einfach nur ein bedingungsloser Optimist, und genau das tat jedem in der Baracke gut. Er war so was wie unser personifizierter Hoffnungsschimmer.
So sehr meine drei Feinde versucht waren, sich ihren „Spaß“ mit mir zu erlauben, vor diesen zwei Männern schämten sie sich und so hatte ich meine Ruhe, solange ich in deren Nähe war. In diese Situation kam Erwin zu uns.

Er war eine so zarte Seele, sehr empfindsam, sehr empfänglich für Stimmungen. Mit großen Augen betrat er unsere Baracke und sah sich hilflos um. Ich stand auf, da sah er, dass ich das gleiche Zeichen wie er auf meiner Brust trug.
Scheu war er, kaum wagte er es, mir näherzukommen. Der Wachmann wies ihm sicher nicht ohne Hintergedanken eine Pritsche bei den drei Kriegsgefangenen zu, da stand ich auf und legte mich in die nächste freie Pritsche daneben.
Daraufhin standen Otto und Heinrich auf und legten sich in die weiteren freien Pritschen. Am 31.12.1944 waren schon viele Pritschen frei in unserer Baracke…

Erwin hat gespürt, was wir taten, er wusste, da sind drei gegen drei und die guten drei stehen mir bei.

Ich will hier nicht weiter auf die folgenden Wochen eingehen, es soll reichen, wenn ich sage, dass Erwin und ich wahre Freunde wurden. Ich fühlte mich als sein großer Bruder und das half mir sehr, meine eigenen Ängste zu überwinden.
Es ist mancher Seele schwer, für sich selbst stark zu sein, so ging es mir auch, aber ich hatte für Erwin durchzuhalten. Und wir beide standen im Schutz von Otto und Heinrich.
Aber Ottos Schutz hatte seinen Preis: Wir hatten gefälligst gut zu sein (das sagt Karl mit einem Lächeln), zumindest aber anständig. Nun, das fiel weder mir noch Erwin schwer, zum „Unanständig“ sein fehlte uns die Kraft. Und Ottos Preis für seine Freundschaft war, dass er von uns rigoros verlangte, gefälligst zu überleben!
„Sterben ist keine Heldentat, außer du wirst dazu gezwungen!“ pflegte er zu sagen. Oder: „Wir sind alle keine Helden, außer wir trauen uns, diese Scheiße hier zu überleben!“

Meine liebe Melanie! Deine Seele als Erwin wollte UNBEDINGT ein Held sein! Unbedingt, wie nichts anderes auf der Welt!

Du musst das in der ganzen Tiefe verstehen, damit du dich verstehst und damit du verstehst, warum ich dir, Melanie, heute sage: Du bist ein wahrer Held!

Erwin tat sein Bestes: Er kämpfte gegen den Hunger, gegen den Husten, gegen die Angst, aber am Schwersten war der Kampf gegen die eigene Resignation! Wenn er auf sein kurzes Leben zurücksah, dann kam er gar nicht um die Tatsache herum, dass all seine heftigen Gefühle bisher enttäuscht worden sind.
Er liebte, so wie ein junges Herz nur lieben kann und wurde missbraucht.
Er vertraute, so wie eine naive Seele nur vertrauen konnte und wurde verraten.
Er hoffte, so wie eine junge Seele nur hoffen kann, aber mit jedem kalten Märzmorgen wurde seine Kraft, zu hoffen, kleiner, wenn die Toten, die die Nacht nicht überlebt hatten, aus den Baracken getragen wurden.

Die ersten Wochen im April brachten für Erwin und mich eine Erleichterung, die drei „Starken“, wie wir sie wegen ihrer anhaltenden Kräfte nannten, wurden verlegt. Ich muss nicht sagen, wie dankbar wir darum waren.

Aber Otto wurde krank: Er bekam Fieber, so hohes Fieber, dass es morgens beim Apell nicht mehr zu verbergen war. Er wurde abgeführt, wir wussten, dass wir ihn nicht wiedersehen würden.

Heinrich brach zusammen, sein ganzer Optimismus ging mit Otto. Von dem Moment an schwieg er meistens. Er war wie eine Marionette, die sich bewegte, die aß, wenn sie essen konnte, schlief, wenn sie schlafen konnte, aber seine Augen waren und blieben ganz leer.

Eigentlich hätten wir jetzt auch aufgeben müssen, unsere Behüter waren nichts mehr, die Situation spitzte sich täglich mehr zu. Aber Otto und Heinrich, denen wollten wir beweisen, dass wir sie nicht enttäuschen! Wir nahmen uns fest vor, durchzuhalten.
Gerüchteweise hörten wir von Widerständlern in anderen Baracken, von Saboteuren sogar. Wir wussten nicht, ob das stimmt, aber wir wollten es glauben.

Und du, liebe Melanie, du hast als Erwin all deine verbleibende Kraft darein gesetzt, in Heinrichs Sinn ein echter Held zu werden, einer, der diese „Scheiße hier“ wagt, zu überleben.
Das war das ganz, ganz große Gefühl, zu dem du trotz deiner Schwäche noch fähig warst.

Aber deine Krankheit war stärker: Zuerst hast du nur manchmal Blut gehustet, dann öfter, dann täglich. Das war gefährlich, niemand durfte das mitkriegen…
In der letzten Nacht war ich bei dir, ich hielt dich in meinen Armen und wärmte dich, so gut ich es mit meinem mageren Körper konnte. Ich fühlte deine Ringen um Luft, spürte, wie dich mehr und mehr die Kraft verließ und ich flüsterte dir zu:
Gib nicht auf, du musst jetzt ein Held werden, du schaffst es!
Du musst fühlen, dass es sich lohnt!
Denk daran: Du wirst Liebe fühlen und Vertrauen und Glück und all das, was wunderbar ist!
Deine Antwort war so leise, dass ich sie kaum verstand: Ich will nichts mehr fühlen, es tut so weh!
Ich dachte, dein Körper tut weh und fragte dich, was dir wehtut.
Deine Antwort war: Enttäuscht zu werden!
Das war das Letzte, was du mir sagtest.

Meine liebe Melanie. Das sind Erfahrungen deiner Seele, die nicht einfach ungeschehen gemacht werden können. Das sind Wunden und Narben, die nicht ohne eine Resonanz in die wiedergeborene Seele sind.

Und es ist mir sehr wichtig, dass du das verstehst. Wie ich schon sagte, habe ich dich nicht lange überlebt. Das war auch gar nicht mein Lebensplan.
Ich habe das KZ überlebt, war sogar so gesund, dass ich mich schon einige Tage später auf den Weg zu deinen Eltern machte. Denn das hatten wir uns gegenseitig versprochen: dass die Überlebenden den Hinterbliebenen persönliche Nachricht vom Wann und Wie des Todes geben würden.

Ich fand deinen Vater, verbittert bis in die tiefste Tiefe, deine Mutter hatte „aus Scham“ über dein „Verbrechen“, ein Homosexueller zu sein, Suizid begangen.

Ich spürte hinein in dein Leben hier – in diesem Dorf in Hessen – und verstand, WIE SEHR du gekämpft hast dein Leben lang darum, nicht emotional zu ersticken, darum, dich so, wie du bist, zu akzeptieren.
Es war gut, dass ich diese Erfahrung noch machte, ehe ich dich im Jenseits wiederfand. So wenigstens konnte ich dich aus dem erdnahen Bereich ins Licht bringen.
„Ich will nie wieder so viel fühlen müssen!“ dabei blieb es. Lange wolltest du es nicht einmal versuchen, wieder in deine Gefühle zu kommen, wolltest nicht inkarnieren, aber dann doch.
Ich hab dich erinnert an dein Versprechen, Heinrich hat dich auch erinnert: Du hast uns versprochen, ein Held zu sein und die ganze Scheiße zu überleben!

Mit diesem Vorsatz bist du ins Leben der Melanie gegangen: Du willst als Seele lernen, aus eigenem Entschluss zu überleben.

Melanie, meine geliebte Freundesseele, darf ich dir an dieser Stelle sagen, dass ich durchaus finde, dass du ein Held bist?
Du hast so viel überlebt!
Aber was noch viel heldenhafter ist: Du wagst viel mehr Gefühl, als zu erwarten war! Ich gratuliere dir zu diesem Sieg!
Es wird Zeit, das du weißt, dass du ein Held bist!

Vielleicht macht es dir sogar Mut, weiter und weiter zu gehen und immer mehr Emotionen, auch gute, zu erleben! Vielleicht macht es dir Mut, in deine GANZE Lebendigkeit zurückzukommen!

Sollte das geschehen, dann sollte der Himmel extra für dich die Verteilung von Goldmedaillen erfinden (Karl sagt das lächelnd).
Aber, es ist nicht klug, zu viel von sich zu fordern, sondern ich bitte dich, dein Sein als Melanie als langsames Aufbautraining zu sehen: Jeder kleine Erfolg ist ein Sieg!

Niederlagen gibt es nicht, denn noch weniger Hoffnung hat kaum eine Seele, die es wagt, zu inkarnieren. Du bist jetzt schon ein Sieger und mir liegt sehr, sehr viel daran, dass du darauf stolz bist!
Ich danke dir sehr, dass du es mir ermöglicht hast, dir dies alles zu erklären. Du darfst ganz, ganz sicher sein: Ich halte IMMER zu dir, ganz egal, wie groß oder klein deine Kraft gerade ist.

U. Vielen Dank, Karl, ich hoffe, dass es Melanie hilft.

K: Es kann ihr helfen, sich selbst in einem besseren Licht zu sehen, als sie es bisher wagt. Damit wäre viel gewonnen.

U: Karl darf ich dir jetzt die Fragen von Melanie stellen?

K. natürlich, gern.

U: Melanie fragt, zu welcher Seelenfamilie sie gehört?

K: Melanie, zu der der Schöpfer: In uns liegt das Streben, die Schöpfung zu fördern, Schönes und Gutes und Wahres ins Leben zu bringen.
Einige von uns werden Künstler, andere sind Viehzüchter oder Gärtner und viele von uns tragen einfach „nur“ dazu bei, dass das Leben da, wo sie sind, etwas „Himmel“ zeigt.
Also Harmonischer, angenehmer oder auch aufregend neu wird.
Wir fördern gerne die Anlagen in anderen, ob Mensch, Tier oder Pflanze, und versuchen in allem das Strahlen des Himmels in die Welt zu bringen.

Im Großen wie im Kleinen wirken wir und sind so in besonderer Weise Gott, dem Schöpfergeist, sehr nah.

Unsere Kraft ist die Phantasie, unsere Macht ist der Optimismus. Beides aber muss von Inkarnation zu Inkarnation gekräftigt, verfeinert und geordnet werden.
Als Letztes lernen wir, unsere Kraft zu verschenken, ohne dass wir uns eine Gegenleistung erhoffen. Dann haben wir unser Ziel erreicht und sind Schöpfer, die in ihrem Tun den Lohn Gottes sehen, dann sind wir, wie er uns sieht.

Es ist ein langer Weg und manchmal entfernen wir uns sehr davon, besonders dann, wenn wir nicht an den Wert unserer Gabe glauben. Oder wenn wir vergessen, dass nicht wir es sind, die uns unsere Gabe gibt, dass nicht wir Gott sind, sondern er durch uns zum Wohl anderer.
Aber so viel Abwegiges eine Seele auch aufsuchen mag und wie viele Inkarnationen sie auch zu erleben hat, letztlich schafft es jeder von uns.

Und dann sind wir Teil der göttlichen Schöpfung, sind wir mit Gott, in Gott und Gott in uns.

Überwinden müssen wir alle erst unsere persönliche Eitelkeit, aber auch unsere Neigung, beleidigt zu sein, wenn wir nicht den Applaus bekommen, von dem wir meinen, dass er uns zukommt.
Überwinden müssen wir auch unsere Neigung, uns für besonders zu halten. Besonders sind wir gerne, nicht nur besonders gut. Manchmal meinen wir, wenn wir das nicht schaffen, wenigstens besonders mies oder besonders schwach sein zu müssen.
Wir alle müssen diese Hürden nehmen, von diesen Versuchungen ist keiner von uns frei.
Aber eins steht fest: LETZTLICH schafft es jede Seele, so zu leben, wie sie in Gottes Mitte schon längst ist.

U: Was ist ihre jetzige Lebensaufgabe?

K: Deine Wunden aus dem letzten Leben zu heilen, soviel du schaffst. Allein deine Versuche, das zu tun, sind schon Siege, liebe Melanie!

U: Was macht diese Liebe zu diesem Mann mit ihr, was für eine Bedeutung hat sie?

K: Melanie, sie erlaubt dir, Gefühle zu haben, ohne je enttäuscht zu werden.
Liebe Seelenfreundin, darf ich dich auf etwas aufmerksam machen?
Du hast in diesem Leben schon VIELE emotionale Enttäuschungen überlebt. Daran zu sterben, das war das Schicksal Erwins.
Deines ist das nicht!
Erwin ist längst im Frieden, aber seine Ängste, Enttäuschungen nicht aushalten zu können, sind noch da.
Du hast dir, wenn du genau hinschaust, längst selbst bewiesen, dass es doch geht. Nicht immer, ich weiß, manchmal nur mit knapper Not, aber du kannst es!

U: Sie fragt, warum sie das Gefühl hat, neben sich zu stehen und sich zu beobachten, anstatt sich selbst als Melanie zu erfahren?

K: Das machst du, um dich vor Emotionen zu schützen, von denen du meinst, sie nicht aushalten zu können. Wir wissen beide, das sind durchaus nicht die negativen Emotionen. Dass du die aushalten kannst, weißt du inzwischen.
Es sind auch nicht die spektakulär Guten, es sind eher die leisen Gefühle, die etwas mit Vertrauen und Zuversicht zu tun haben…

U: Gibt es irgendetwas, was sie gegen ihre Depressionen tun kann?

K: Melanie, zurzeit ist es nicht klug, sie abzusetzen, aber Medikamente allein helfen dir auch nicht. Du wirst dir deine Wunden ansehen müssen, um deine Stärken zu verstehen. Und diese Erkenntnis wird dir helfen, in deinem Leben dir!!! gemäße Prioritäten zu setzen.

Von der tiefsten Wunde habe ich noch gar nicht gesprochen, das will ich jetzt tun.
Deine tiefste Wunde ist gar nicht, von ANDEREN enttäuscht zu werden, sondern von DIR SELBST!
So hat es Erwin wahrgenommen: Er war unendlich enttäuscht von sich selbst und DAS war, was ihm so weh tat.

Melanie, du aber hast weder mehr noch weniger Grund als andere Menschen, von sich selbst enttäuscht zu werden. Was dir jedoch aus der letzten Inkarnation geblieben ist, ist die Angst davor, die Enttäuschung über dich selbst nicht überwinden zu können.

Mein Liebes, jede Seele enttäuscht sich selbst, wie soll das auch anders sein?
Wie sonst könnten wir erfahren, wo und was bei uns noch gefördert werden muss?
Alle Menschen täuschen sich!
Und alle Seelen suchen Wege, aus diesen Täuschungen zu lernen und so zur Wahrheit zu kommen.
Das ist ja gar nicht schlimm! Das ist ja ganz normal! Die gefährlichste Täuschung besteht aber darin, zu glauben, das sei BESONDERS schlecht!

Vielleicht wagst du in Zukunft einige Gedanken, die in eine andere Sicht führen? Ich würde mich sehr darüber freuen, meine Liebe.

U: Melanie fragt, wie es ihrer Mutter geht?

K: Es geht ihr gut und sie lernt sehr viel.

U: Karl, das war für mich ein sehr bewegendes Reading, ich danke dir herzlich dafür und hoffe, dass Gottes Segen in jedem Satz wirkt und Melanie hilft, in ihre Lebenskraft zu kommen.

K: Melanie muss lernen, sich über sich selbst wieder freuen zu können!
Schon Erwin konnte dies nicht.
Aber eine Seele hat viel Zeit! Wie viel Zeit der Mensch sich gibt, ist etwas anderes. Und gerade darum ist es uns so kostbar, euch aufklären zu dürfen und anzuspornen, alles euch Mögliche zu tun, um euch weiterzuentwickeln.

Eure Welt braucht Seelen, die sich weiterentwickeln!
Eure Welt braucht solche Seelen bald!
Und das ist der Grund, warum wir den Schleier angehoben haben, damit ihr bei vollem Bewusstsein sehen könnt, was nie vorher dem Menschen zu erkennen erlaubt war.
Melanie?
Ich liebe deine Seele, wie sie IST und daran kann NICHTS etwas ändern!

Dein Karl „Engel“.