Wahrheit

1115: Wir folgen ihr, der Spur der Wahrheit, auch wenn wir tausend Masken tragen.

Wir folgen ihr, der Spur der Wahrheit,
auch wenn wir tausend Masken tragen.

Wie viele Menschen lassen sich gefangen nehmen
und tragen dabei heitere Masken.
Aber letztlich machen sie Angst mit ihrer Wahrheit.

Sie gehen zuerst innerlich und dann de facto.

Vielleicht benutzen sie vornehme Umwege,
die sich Krankheit oder Unfall nennen oder Wahnsinn.

Aber sie gehen aus ihrem Gefängnis.
Freilich: Man wird sie weiter für gut halten.
Freilich: Sie verlieren nicht ihre Ehre, aber sie gehen.

Glück bringt das keinem, Weiterentwicklung bringt das auch keinem.

Alles bleibt, wie es ist, weil sich alle Beteiligten darauf geeinigt haben, die Wahrheit hinter Masken zu verbergen.

So muss niemand sich weiterentwickeln.
So muss niemand die Konsequenzen seiner Handlungen tragen.
So muss niemand seine Lebensprinzipien in Frage stellen
und neu ordnen.
Es ist bequem und obendrein
auch noch gesellschaftlich abgesegnet gut.

Wie kann gut sein, was dazu führt,
dass die Menschen in ihrer Entwicklung stagnieren?!

Wie kann gut sein, dass verhindert wird,
dass jeder ist, was er ist und wie er ist?!

Wie kann gut sein, dass Menschen in ihrer eigenen tiefsten Empfindungswelt unterdrückt und ausgebeutet werden?!

Der Preis des Maskenspiels ist: Angst.
Angst entdeckt zu werden, entlarvt.
Angst, die Wut, die dadurch entsteht,
dass die Wahrheit unterdrückt werden muss,
explodieren könnte, ungeordnet und ohne Halt.

Der Preis für dieses Maskenspiel ist letztlich auch ein tiefer Groll, manchmal sogar Hass.

Elia

Zu Gast ist Katharina.

Elia: Guten Abend.

Hajo: Guten Abend, Elia.

Elia: Guten Abend, Katharina. Da bist du wieder.

Es kam einmal ein Mann an das Tor des Himmels und Petrus fragte ihn: „Nun, mein Lieber, was hast du mit deinem Leben angefangen?“

Da sagte der Mann: „Ich war allzeit brav.“
„Oh“, sagte Petrus, „ich sehe gerade, das war nicht deine Aufgabe. Nun hast du die schöne Zeit verschwendet mit Brav sein. Ich bedaure, du gehörst nicht in unsere Abteilung“.

Eine bitter ironische Geschichte, vor allem eine bittere.

Jesus erzählte eine ähnliche Geschichte.

Es war einmal ein Mann, der hatte zwei Söhne. Der eine war gut und fromm. Er war fleißig und hilfsbereit und alle Zeit eine Freude seines Vaters.
Der andere jedoch war ein rechter Tunichtgut, spielte und trank und liebte die Weiber. Und er ließ sich, weil er Geld dafür brauchte, von seinem Vater das Erbe auszahlen und zog in die Welt, um seinen Spaß zu haben.
Es vergingen die Jahre und das Geld war verprasst. Und da kam er heim zu seinem Vater – ganz bescheiden geworden – und sagte: „Bitte, lieber Vater, bitte lass mich einer deiner Schweinehirten sein. Das ist immer noch besser als da draußen ein Bettler.“

„Nicht so“, sagte der Vater, „lieber Sohn, dass du nur wieder da bist!“
Und er ließ ein großes Fest veranstalten und lud alle Menschen der Umgebung ein, damit sie mit ihm sich freuen konnten darüber, dass der verlorene Sohn wieder da war.

Da murrte der gute Sohn.
„Wie kann das sein“, sagte er, „habe ich nicht mein Leben lang dir gedient, nur Gutes getan und fleißig gewesen? Und nun setzt du diesen da an die Spitze der Tafel!“

Ja, Katharina, was haben diese beiden Geschichten mit dir zu tun? Viel.

Es geht um den Mut, sich die Freude zu nehmen, die man zum Leben braucht.

Es geht um den Mut und die Tapferkeit, zu seinen eigenen Bedürfnissen zu stehen, ohne die Zustimmung anderer zu erfahren.

Es geht um Gut und Böse sein. Es geht ums Wahr sein.

Und es geht letzten Endes darum, wen Gott liebt.

Die, die sich stets fügen, haben die ein besonderes Recht auf Glückseligkeit?

Oder sind die vielmehr gar nicht erst fähig dazu, Glückseligkeit zu erfahren?

Gut sein, Fair sein. Ja, darüber sprachen wir schon einmal: Das willst du.

Nur auf absonderliche Art und Weise scheinst du dich selbst gerade davon auszuklammern.

Doch jetzt, jetzt kamen wir ins Spiel. Weil du uns um Hilfe batest, halfen wir.
Doch nicht so, wie du es wolltest.
Da bist du uns ein bisschen gram.

Nein, nicht ganz so, wie du es wolltest.
Und doch schenkten wir dir weit mehr, als du erwarten konntest.
Nein, nicht ganz so, wie du es für gut befunden hättest.

Es bleibt dabei, dass es deine Aufgabe ist, Entscheidungen zu treffen: für dich.

Manchmal denkst du:
„Ach, da wäre es gleich besser, ich wäre in meiner großen Traurigkeit geblieben.
Dies ist ja gerade so, als würde man einem Hungrigen eine Wurstsemmel hinlegen, in die er dann doch nicht beißen darf, nur ein wenig naschen.“

Da bist du uns gram.
Aber glaube mir: Es liegt ja an dir, ob du naschst oder nimmst. Ob du auskostest, was da ist oder ob du nur zaghaft davon kostest.
Dies ist Aufgabe, deine wie seine: Wie viel Glück steht mir zu? So viel, wie da ist.

Meine Frage an dich: Wie viel ist denn da? Das weißt du gar nicht?
Das kannst du gar nicht wissen.
Weißt du, wie der morgige Tag ist?
Weißt du, wie der nächste Monat sein wird, das nächste Jahr, die nächsten zehn Jahre?

Wie viel Glück steht dir zu? Das, was heute da ist!

Und nun stell deine Frage bitte.

Katharina: Ich wüsste gerne, woher kenne ich diesen Mann? Schon aus einem früheren Leben?

Elia: Aber ja, kennst du ihn!

Katharina: Und warum der mir so vertraut ist? Das ist so ungewöhnlich für mich.

Elia: Nicht ein Leben, mehr als Zwanzig habt ihr geteilt. Und ihr wart einander in euren Leben stets Lehrer: Der eine lehrte den anderen.

Ihr wart einander stets nah, aber nicht nur Liebende. Denn ihr wart einander auch gewaltige Gegner, doch voller Respekt.

Ihr wart auch Schüler und Lehrer. Und ihr wart auch Kind und Vater.

Immer, immer gab der eine dem anderen eine wichtige Lektion.

Ihr seid nicht gleich, sondern ihr seid einander Ergänzung.

Ihr habt einander euch das Versprechen gegeben, als Seelen jene Kräfte in euch zu fördern, die das Leben hat brachliegen lassen.

Den anderen fördern, dort wo er schwach ist!
Das ist das, was ihr euch vorgenommen habt.

Dem anderen helfen, eine neue Sicht des Lebens zu entwickeln, das habt ihr euch vorgenommen.

Freilich bleibt ihr Seelen, die sich frei entscheiden können.
Freilich bleibt es offen, wofür ihr euch entscheiden werdet.

Doch ihr stellt einander die Aufgabe, die es zu lösen gibt.

Eine Aufgabe muss erst einmal gestellt werden, ehe sie gelöst werden kann. Das wollt ihr einander sein. Es gibt kaum etwas, was größer, schöner und tiefer ist als diese Aufgabe.

Vertraut sein heißt, dem anderen etwas zutrauen. Und es heißt, nicht alles erklären zu müssen, weil das Herz schon weiß, was der andere fühlt.

Vertraut sein heißt aber auch in der alten, deutschen Sprache, ein Versprechen aneinander gegeben zu haben, eine Bindung eingegangen zu sein.

Bindung zwischen zwei Menschen, die kann durch das Gesetz geregelt werden, sie kann durch Moral gefordert werden.

Aber sag selbst, Katharina, kann irgendein Richter, kann irgendein Geistlicher von dir fordern, dass du Gefühle der Liebe hast? Ist das möglich? Hm?

Katharina: Nein.

Elia: Nein. Nein, nicht einmal du selbst kannst es. Man kann sich vornehmen, jemanden lieb zu haben.

Man kann sich vornehmen, jemanden zu ehren. Aber man kann es nicht einklagen, man kann es nicht fordern.

Denn es ist ein Gefühl! Es ist da oder nicht.

Darum: So wenig wie man Liebe fordern kann, so wenig kann man sie ersticken. Liebe entzieht sich gänzlich dem menschlichen Willen.

Wir können es wollen, jemanden bis ans Lebensende zu lieben. Aber ob dies geschieht oder nicht, das ist für einen Menschen völlig unlenkbar.

Sich dies klarzumachen bedeutet, sich darüber im Klaren zu sein, wie sehr wir doch von unseren Emotionen abhängig sind.

Und davon, was unsere Seele zutiefst glaubt.

Denn es ist die Seele, die darüber letztlich entscheidet, wen und wie wir leben.
Und es sind die Emotionen, die der Seele gehorchen und ihr folgen.

„Ich liebe dich.“ Das sind die schönsten Worte, die ein Mensch dem anderen sagen kann.

Doch wie selten sind sie wahr: „Ich liebe, was du denkst, was du tust, was du in der Gesellschaft darstellst, wie du ausschaust, wie du gehst, deine Stimme.“

„Ich liebe dich“, das geht darüber hinaus. „Ich liebe dich und weiß nicht genau, warum. Es geschieht mir. Und ich weiß nicht genau wieso. Es ist, wie es ist.

Und ich weiß nicht, warum es gestern nicht da war. Und ich weiß nicht, ob es morgen noch sein wird.

Aber heute ist es ganz und gar wahr: Ich liebe dich.“

Das ist, als ginge ein Stern in unserem Herzen auf.

Es ist schön lieben zu dürfen, es ist ein großes Geschenk. Fast ist es größer noch, als geliebt zu werden.

Beruht es auf Gegenseitigkeit, was kann je köstlicher sein?!

Die Zeit steht ein wenig still, wo Liebende sich begegnen. Die Gesetze des Universums scheinen nicht mehr zu gelten.

Die Schwerkraft sogar scheint gelegentlich aufgehoben.

Warum ist das so? Ist es reine Biologie? Freilich, sie ist es auch.

Aber nicht wahr? Die Liebe, die hauptsächlich der Biologie folgt, diese Lieben waren anders.

Was ist diesmal geschehen? Diesmal folgt die Liebe der Seele. Und das bringt viele Ängste mit sich, viele alte Ängste.

Du machst es dir ja schwer. Wie gewöhnlich, möchte ich sagen. Das mit dem Glücklich sein, das muss wenigstens schwer sein.

Ja, was fällt deinem Leben eigentlich ein, dir jetzt so eine Portion Glück vor die Tür zu legen?! Das könnte gefährlich werden.

Liebe kannst du nicht wollen. Du kannst sie nicht beherrschen. Du kannst sie weder ab- noch anschalten. Sie ist, wie sie ist.

Und es wurde Zeit dafür. Der Zeitpunkt eurer Begegnung stand fest, ehe ihr geboren wurdet. Er stand fest.

Es gab nie eine Variable. Das allein, das allein ist schon genügend Grund, zu sagen: Diese Beziehung hat ihre eigene Heiligkeit.

Elia: Katharina, deine nächste Frage, bitte.

Katharina: Warum schaffe ich das nicht, ein bisschen unbeschwerter zu sein und mir nicht über tausend Sachen Gedanken mache? Nicht nur in der Beziehung, sondern in allem.

Ich gebe mir nach wie vor an allem, was passiert, die Schuld. Das kann ich nicht abstellen.

Elia: Nein, das kannst du nicht. Das ist in der Tat Ahnenlast. Das ist Aufgabe der Frauen deiner Familie.

Ihr seid diejenigen, die allein gelassen sind: überfordert, ausgebrannt und in ihrer Wesenheit missachtet.

Das ist, was alle deine Vorfahrinnen erlebt haben: „So ist eine richtige Frau! Bitter.“

Es geht nicht ums reine Unglücklich sein!

Katharina, wenn es nur das wäre, das könntest du beherrschen. Es geht ums tiefe Bitter sein!

Eine bittere Einstellung zum Leben haben, ist gleichzeitig eine ehrenwerte: Wer bitter ist, hat viel gelitten. Und wer viel gelitten hat, der ist auch gut.

Eine harte These?

Nun, wenn du es magst, kannst du das überprüfen. Wenn du es magst, kannst du diese Last auch loswerden.

Du bekommst die Möglichkeit, das zu tun. An diesem Wochenende darfst du das loslassen!

Aber woran machst du dann deinen Wert aus? Hat dein Glücklich sein einen Wert?

Bist du etwas wert, wenn du glücklich bist?

Bist du noch du, wenn du glücklich bist? Hast du noch deine Ehre im Glück?

Wir meinen: Ja! Dein Lebensplan meint: Ja!

Und du? Anderen folgen, sich in die Gefangenschaft stellen, bitter und kalt werden.

An den eigenen und an den fremden absoluten Ansprüchen scheitern müssen.

Und sich dann um so mehr verdammen.

Das ist der Weg der Ahnen.

Nein, das willst du nicht. Und nein, das will auch deine Seele nicht.

Gerade daraus will sie wachsen, Katharina, in eine eigene, selbstdefinierte Wahrheit. Eigene Werte leben!

Denkst du, du bist verflucht zum Unglücklich sein? Das bist du nicht!

Aber wir sind wieder, wieder und wieder bei der Unterscheidung zwischen Böse und Gut.

Ich möchte mich von diesem Vorgang ein wenig distanzieren und dich fragen, ob es nicht einfacher wäre, wahr zu sein.

Letztlich, Katharina, ist jeder Mensch wahr. Aber manche sind es erst auf dem Sterbebett.

Letztlich geschieht, was uns wahr ist.

Wir folgen ihr, der Spur der Wahrheit, auch wenn wir tausend Masken tragen.

Wie viele Menschen lassen sich gefangen nehmen und tragen dabei heitere Masken. Aber letztlich machen sie Angst mit ihrer Wahrheit.

Sie gehen zuerst innerlich und dann de facto.

Vielleicht benutzen sie vornehme Umwege, die sich Krankheit oder Unfall nennen oder Wahnsinn.

Aber sie gehen aus ihrem Gefängnis.

Freilich: Man wird sie weiter für gut halten.

Freilich: Sie verlieren nicht ihre Ehre, aber sie gehen.

Glück bringt das keinem, Weiterentwicklung bringt das auch keinem.

Alles bleibt, wie es ist, weil sich alle Beteiligten darauf geeinigt haben, die Wahrheit hinter Masken zu verbergen.

So muss niemand sich weiterentwickeln. So muss niemand die Konsequenzen seiner Handlungen tragen.

So muss niemand seine Lebensprinzipien in Frage stellen und neu ordnen. Es ist bequem und obendrein auch noch gesellschaftlich abgesegnet gut.

Wie kann gut sein, was dazu führt, dass die Menschen in ihrer Entwicklung stagnieren?!

Wie kann gut sein, dass verhindert wird, dass jeder ist, was er ist und wie er ist?!

Und wie kann gut sein, dass Menschen in ihrer eigenen tiefsten Empfindungswelt unterdrückt und ausgebeutet werden?!

Der Preis des Maskenspiels ist: Angst. Angst, entdeckt zu werden, entlarvt.

Angst, dass die Wut, die dadurch entsteht, dass die Wahrheit unterdrückt werden muss, explodieren könnte, ungeordnet und ohne Halt.

Der Preis für dieses Maskenspiel ist letztlich auch ein tiefer Groll, manchmal sogar Hass.

Was empfindest du für deinen Ehemann? Nun? Ja, da fehlen dir die Worte.

Katharina: Gemischt. Nicht positiv. Wut.

Elia: Ja, Wut, Groll und auch Hass.

Katharina: Ja.

Elia: Deine Kinder spüren das. Sie müssen ihn verteidigen und sei es auch nur in ihren Gefühlen. Wer macht das, dass du so fühlst, für ihn?

Katharina: Er selbst.

Elia: Richtig! Er selbst tut das. Aber wer, wer wird zum Maskenspiel gezwungen?

Du! Immer wieder Du! Das macht deine Wut nur größer!

Und weil aus der Wut kein Mut werden darf, kommt der Groll und die Bitterkeit.

Und die Sehnsucht danach, diese Umstände verlassen zu dürfen.

Diese Sehnsucht, die Umstände verlassen zu dürfen, ist die Wahrheit.

Das fühlt deine Seele wirklich: Das ist wahr! Und sie wird, weil sie die Macht hat, letztlich Wege finden, die Umstände verlassen zu dürfen.

Die Frage ist: Wie? Vor wem, so dass nichts und niemand dir einen Vorwurf machen kann?

Du weißt, dass dein Leben, so wie es ist, gefährlich ist. Du weißt, dass dein Gatte, so wie seine Emotionen sind, ihnen unterworfen ist in bestimmten Momenten.

Und du weißt, dass er durchaus in der Lage ist, plötzlich gänzlich ohne Maske vor dir zu stehen.

Und was du dann zu sehen bekommst, ist eine erschreckende Wahrheit.

Du bist in der Tat in einer sehr schwierigen Position.

Wird sie einfacher durch Maskenspiele? Oder verwickelt sie sich nur noch mehr?

Mein Rat wäre: Versuche nach und nach, immer wahrer zu werden. Nichts kann bestehen bleiben unter dem Aspekt der Liebe, wenn du immer wahr zu dir stehst.

Könntest du dir vorstellen, dass das Interesse deines Gatten auch damit zu tun hat, dass du die Maske trägst, die er dir zuteilt?

Könntest du dir vorstellen, dass sein Interesse an dir in dem Maße abnimmt, indem du wahrer bist?

Und könntest du dir vorstellen, dass so aus deiner Wut Mut wird?

Du bist in einer nicht ungefährlichen Position. Und du solltest – und dies ist unser Ratschlag an dich – nichts tun ohne die tatkräftige Hilfe anderer. Ja?

Handle klug, aber handle in Wahrheit. Dazu möchten wir dich ermutigen.

Wenn ein König ein Krieg führen muss mit einem mächtigen Gegner und wir sagen einmal: Unser König hat dreitausend Soldaten.

Und der Gegner hat zehntausend Soldaten.

Was denkst du, was muss unser König tun?

Katharina: Klug einschätzen.

Elia: Das ist eine Möglichkeit, die er sicher in Betracht ziehen muss: Sich strategisch richtig positionieren, nicht wahr?

Katharina: Ja.

Elia: Richtig. Aber dennoch ist es eine große Übermacht. Das Dreifache seiner eigenen Stärke, das wird er kaum schaffen oder es wird einen hohen Blutpreis geben.

Er liebt aber seine Soldaten. Was kann er noch tun?

Nun, es ist Tradition, sich in solchen Fällen Verbündete zu suchen. Ja?

Bitte, Katharina, das ist ganz wichtig: Du brauchst Verbündete. Taktisch klug Vorgehen ist gut, aber auch Verbündete haben. Ja?

Nur eines kann der König nicht, er kann nicht sagen: Ich nehme den Krieg nicht an.

Denn wenn er das tut, Katharina, dann wird der Feind sein Land überrollen und wird alles niedermachen, was da lebt.

Und das könnte deine Position werden: Dass du, wenn du aufgibst, von den Kräften, die so destruktiv sind, einfach überrollt wirst.

Das Leben ist doch schön, Katharina!

Du wirst heute Abend in die Arme eines Liebenden gehen. Du wirst erleben, wie schön Leben sein kann.

Warum denkst du, ist dieser Mann, diese Seele in dieser finstersten Lebenszeit in dein Leben getreten? Warum jetzt? Und warum nicht vor fünf Jahren?

Warum gerade jetzt?

Ich sagte: Selbst der Augenblick eurer Begegnung war von Anfang an festgelegt. Also warum jetzt?

Damit du wieder als König begreifst, dass du dein Land zu verteidigen hast mit den Mitteln, die dir zur Verfügung stehen.

Und dass du in aller Wahrheit zu sagen hast: „Nein, fremder König, ich lasse es nicht zu, dass du mich und mein Land vernichtest!“

Wer das Leben liebt, der verteidigt es!

Auch das, Katharina, ist einer der Gründe, warum du dich in dein Glück nicht fallen lassen kannst. Denn in dem Maß, indem du wieder anfängst, das Leben zu lieben, steigt auch in dir die Einsicht auf, dass du es zu verteidigen hast.

Und das macht dir Angst, eine verständliche Angst.

Bitte uns um Verbündete! Bitte uns um Beistand!

Und halte deinen Verstand, deine Augen und dein Herz bereit, Verbündete zu finden. Ja?

Katharina: Ja.

Elia: Du siehst, wir nehmen deine Situation sehr ernst. Wir nehmen dich ernst.

Wer nimmt dich noch ernst? Ja, da schweigst du.

Katharina, das ist deine Aufgabe als König: Anderen den Ernst deiner Lage ganz klar zu machen. Ja? Tu es.

Wir sind ganz und gar bei dir in deinem Ringen um Lebendigkeit.

Hast du noch eine Frage?

Katharina: Ja. Warum kann ich das Gefühl nicht abstellen, dass ich meinem Mann irgendwie was schuldig bin?

Dass er auch glücklich sein muss und ich auch daran schuld bin, dass er es nicht ist und deswegen ihn nicht noch mehr…

Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.

Elia: Katharina, das weißt du schon selbst: Dass du damit Verhandlungen führst, die ich einmal Kriegsvermeidungstaktik nennen möchte.

Du suchst nach Schuld bei dir, weil das einfacher ist. Da musst du ja nur den alt vertrauten Krieg gegen dich selber führen.

Den kennst du schon. Der ist zwar nicht schön, aber du kennst ihn schon.

Und bis jetzt hast du den immer noch überlebt.

Also lieber gegen dich selber kämpfen und lieber das Böse in dir suchen, ja?

Es geht nicht um Gut und Böse. Hier geht es um die Wertschätzung des Lebens selbst.

Wer zerstört wen? Das weißt du.

Kämpfe nicht gegen dich. Begreife, dass du zuerst – DU zuerst – Mitgefühl mit dir haben musst, dass den anderen mangelt!

Mitgefühl, nicht Selbstmitleid, Katharina! Dazu hast du eine Tendenz.

Und um die zu vermeiden, wirst du dann bitter und ironisch.

Nein, mit Gefühl auf deinen Schmerz schauen, auf deine Verletzung schauen. Auf die Verwirrung, die all die vielen Ansprüche in dir angestellt haben, schauen!

Und einmal spüren, was du für andere gerne bereit bist, zu spüren: Mitgefühl. Wenn du für dich Mitgefühl hast, dann hast du auch Nachsicht mit dir und deinen Defiziten.

Dann hast du auch Geduld mit dir und deinen Defiziten. Katharina, dann – erst dann – bist du erwachsen geworden. Und wenn du erwachsen bist, dann wird jemand wie dein derzeitiger Gatte kein Interesse mehr an dir haben!

Ich danke dir für deine Aufmerksamkeit. Ich werde mich zurückziehen.

Hajo…

Hajo: Ja?

Elia: Falls Katharina sich entscheiden sollte, morgen mit uns zu arbeiten, so würde ich vorschlagen, dass zwei Familienaufstellungen gemacht werden.

Eine, Katharina, mit deinen Ahninnen. Und eine mit deiner derzeitigen Familie und dem Mann, den du liebst.

Der gestellt wird. Der nicht da sein sollte. Ja?

Hajo: Das verstehe ich jetzt nicht: Der gestellt wird? Der nicht da sein sollte?

Elia: Nicht in Person.

Hajo: Ah ja. Natürlich.

Elia: Katharina, das wird Arbeit, das ist Hinschauen und Ändern wollen. Das ist Wut fühlen und in Mut geraten.

Leben kann sich ändern, Katharina! Es kann sich ändern.

Ich wünsche dir Mut. Ich wünsche dir Glück und ich wünsche dir Verbündete.

Wir sind es allemal.

Auf Wiedersehen.

Hajo: Auf Wiedersehen, Elia.

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